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GERMAINE ACOGNY

© Helmut Vogt
© Ecoledes Sables
© Ecoledes Sables
© Ecoledes Sables

Germaine Acogny Technique

Germaine Acognys Unterricht hat seine Wurzeln in ihrer spezifischen Technik von modernem afrikanischen Tanz – eine Mischung aus traditionellen westafrikanischen Tänzen (Sahel und Waldgegend) und westlichen Formen des zeitgenössischen Tanzes. Diese Technik ist vergleichbar mit westlichen Techniken wie Graham oder Limon. Sie ist verwurzelt in der Idee, dass afrikanische Tänze in einem kontinuierlichem Dialog mit dem Kosmos stehen.

Germaine arbeitet viel mit Improvisationstechniken und trainiert afrikanische Tänzer_innen auf eine Art und Weise, die sie ermutigt, ihren eigenen Weg zu finden, indem sie ihre traditionellen Tänze in zeitgenössische Ausdrucksformen gießen.
In Übereinstimmung mit Trommler_innen und Schlagzeuger_innen lädt sie in ihr Universum des „Body in Joy“ durch ihre Technik mit sensibler Virtuosität ein. Sie konzentriert sich auf Wirbelbewegungen, da sie die Wirbelsäule als Schlange oder Baum des Lebens betrachtet, und arbeitet somit auch viel mit „contractions“ (Kontraktionen), wellenförmigen Bewegungen, Zittern oder Vibrationen.

Viele ihrer Bewegungen sind von der Natur inspiriert, seien es Pflanzen oder Tiere oder aber auch Elemente des alltäglichen Lebens in Afrika. Sie sind präzise und klar definiert und zutiefst verbunden mit dem Aten. Die Bewegungen in Acognys Technik sind benannt nach symbolischen Naturbildern wie dem Fromager-Baum, der Wasserlilie, oder Rehen. Das Atmen und das tief Verwurzelt-Sein sind auch wichtige Bestandteile der Übungen, welche die Befreiung des Körpers, das Anders-Fühlen, das im Boden Verwurzelt-Sein und das vertikal Sich-Besser-Fühlen ermöglichen. Die Bewegungen sind auch dazu gedacht, das Tanzvokabular von Tänzer_innen zu verbessern.

Germaine Acognys Kurse bestehen aus drei Teilen:
- im Kreis oder im ganzen Raum aufwärmen (45 Minuten)
- im Stehen oder am Boden die verschiedenen Bewegungen der Technik kennenlernen (30 Minuten)
- die verschiedenen Bewegungen in Kombination ins Tanzen einfließen lassen (1 Stunde)

Sie fordert die Welt des westlichen Tanzes dazu auf, afrikanischen Tanz aufzunehmen und seine Fülle, Kraft und seine tellurische Stärke als neue Inspirationsquelle zu sehen.

Musikalische Begleitung
Tänzer_innen sollen möglichst wenig den Takt zählen, sie sollen viel eher den Musiker_innen zuhören, um den Rhythmus zu spüren und Stopps und Rufe zu erwarten. Musiker_innen sind mehr als nur begleitende Figuren; sie helfen uns „unsere Ohren zu öffnen“, unerwartete Bewegungsqualitäten zu inspirieren und somit zur Entwicklung der körperlichen Sprache beizutragen.

Sobald Teilnehmer_innen die Technik und Bewegungen aufgenommen haben, beginnt Germaine Acogny mit Improvisationen, in denen die erlernten Elemente mit eigenen Tänzen und Tanztraditionen verbunden werden können. Germaine Acognys Technik hilft den Tänzer_innen, die eigene Körpersprache aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen, zu analysieren und auf kreative Weisen zu verwenden. Ihre Arbeit hat einen starken Afrikabezug, öffnet sich aber zugleich auch dem ganzen Universum.

ANDERE WORKSHOPS VON Germaine Acogny

Germaine Acogny Technique / Outillages Choréographiques

Nach einer einstündigen Trainingseinheit, in der Germaine Acognys Technik einstudiert und internalisiert wird, geht der Workshop in Improvisationen über, in denen das erlernte Material mit dem eigenen Bewegungsvokabular kombiniert wird. Germaine Acognys Technik hilft Teilnehmer_innen, ihre eigene Körpersprache aus einem andere Blickwinkel zu sehen, zu analysieren und auf neue, kreative Arten zu verwenden. Ihre Arbeit ist geprägt von einer starken Verbindung zu Afrika, öffnet sich aber zugleich auch dem ganzen Universum.

Choreografische Mittel
Arbeit im Raum als Kompositionsmittel für geometrische Formationen, insbesondere dem Kreis. Wir werden auch in den Park gehen und einen sinneserfüllten Entdeckungspaziergang in der Natur und in dieser Umgebung machen, und dabei unsere Sinne durch das Berühren, Zuhören und Fühlen erwecken. Gearbeitet wird in kleinen Gruppen, zu zweit und alleine. Entdecke Germaines choreografisches Universum, indem du dessen Tanzstücke siehst und lernst. Andere mögliche Bestanteile in diesem Workshop sind: „Danse de l’intérieur“ aus dem Stück „Songook Yakaar", „Circle magique“ aus „A un endroit du début“ und „Dans Prièure“.

ARTISTBIO: Germaine Acogny

Germaine Acogny, Senegalesin und Französin, trainierte unter der Leitung von Marguerite Lammote zwischen 1962 und 1965 an der Simon Siegel Schule in Paris und wurde diplomierte Turn- und Gymnastiklehrerin. Danach gründete sie 1968 ihr erstes Tanzstudio in Dakar. Dank des Einflusses ihrer Großmutter, einer Yoruba Priesterin sowie ihrem Studium von afrikanischen und westlichen (modernen) Tänzen in Paris und New York kreierte sie ihre eigene Technik des Modernen Afrikanischen Tanzes und ist seither als „Mutter des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes“ bekannt.

Zwischen 1977 und 1982 war sie künstlerische Leiterin von MUDRA AFRIQUE (Dakar), gegründet von Maurice Béjart und dem senegalesischen Präsidenten und Dichter Sedan Senghor. 1980 schrieb sie ihr erstes Buch „African Dance“, welches in drei verschiedenen Sprachen erschien. Nachdem MUDRA AFRIQUE seine Türen schloss, zog sie nach Brüssel, um mit Maurice Béjarts Compagnie zu arbeiten und afrikanische Tanzworkshops weltweit zu organisieren, was besonders unter europäischen Studierenden zu viel Erfolg führte. Diesselbe Erfahrung wurde in Fanhoumé, Afrika, einem kleinen Dorf in Casamance im Süden Senegals, wiederholt. Menschen reisten aus Europa und allen Ecken der Welt dorthin. Germaine Acogny tanzt, choreografiert und unterrichtet auf der ganzen Welt, nicht zuletzt auf Grund ihrer Rolle als Botschafterin des afrikanischen Tanzes und der Kultur. Ihre Arbeit und Persönlichkeit werden mit viel Respekt, sowohl in Afrika wie auch anderswo, betrachtet. Zusammen mit ihrem Mann, Helmut Vogt, gründete sie 1985 das Studio-Ecole-Ballet-Théâtre du 3è Monde in Toulouse, Frankreich. Nachdem sie einige Jahre abseits der Bühnen tätig war, kehrte Germaine Acogny 1987 zurück in ihre Rolle als Tänzerin und Choreografin. Sie arbeitete für einen Videoclip mit Peter Gabriel zusammen und schuf ihr Solo ‘Sahel’ sowie weitere darauffolgende Choreografien. Ihr Solostück „YE’OU“ (1988) tourte auf der ganzen Welt und wurde 1991 mit dem London Contemporary Dance and Performance Award ausgezeichnet.

1995 entschied sie, in den Senegal zurückzukehren, um dort ein internationales Zentrum für traditionellen und zeitgenössischen afrikanischen Tanz zu eröffnen, welches als Treffpunkt für Tänzer_innen aus aller Welt fungieren sollte, ein professioneller Ausbildungsort für Tänzer, der sie dem zeitgenössischem afrikanischen Tanz näher bringen sollte.
Im Juni 2004 wurde das Zentrum – auch L’École des Sables genannt – fertig gebaut. Schon seit 1998 wurden jährlich dreimonatige professionelle Workshops für afrikanische Tänzer_innen und Choreograf_innen organisiert. Circa 30 Tänzer_innen aus allen Ecken Afrikas kommen zusammen, arbeiten miteinander und tauschen Ideen aus.
1997 wurde Germaine Acogny künstlerische Leiterin der Tanzabteilung von Afrique en Creations in Paris, eine Funktion, die sie bis September 2000 inne hielt. In dieser Zeit war sie verantwortlich für die Contemporary African Dance Competition, einer wichtigen Plattform für junge afrikanische Choreograf_innen. 2005 wurde sie als Regentin zu UCLA (University of Los Angeles) eingeladen.
Ihr Solo „Tchourai“, 2001 von Sophiatou Kossoko kreiert und choreografiert, tourte mit großem Erfolg bis 2008. Sie präsentierte es u.a. in Frankreich (Théâtre de la Ville, Paris), Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Italien, den USA (New York, Chicago) und in China (1. Contemporary Dance Festival in Shanghai).
Zwischen 2003 und 2004 schuf sie ihr Stück „Fagaala“ für ihre Compagnie JANT-BI, basierend auf der Geschichte des Genozids in Ruanda. Es wurde zusammen mit Kota Yamazaki/Japan für 7 afrikanische Tänzer_innen choreografiert; eine Fusion zwischen Butoh und traditionellem sowie zeitgenössischem afrikanischen Tanz. Es tourte bereits drei Mal in den USA, und wurde zudem in Europa, Australien (Melbourne Festival, Sydney Opera House) und in Japan aufgeführt. 2007 erhielten sie und Kota Yamazaki einen BESSIE Award (New York Dance and Performance Award) für „Fagaala“.
Im selben Jahr stand sie vor einer großen Herausforderung, nämlich der Entwicklung des choreografischen Teils der Opera du Sahel, einer wichtigen afrikanischen Kreation, initiiert und produziert vom Prinz Claus Fund in den Niederlanden. Die Uraufführung fand im Februar 2007 in Bamako statt, gefolgt von weiteren Aufführungen in Amsterdam und Paris sowie einer ersten afrikanischen Tour in 2009.
2008 wurde ein weiteres choreografisches Werk als Kollaboration zwischen der JANT-BI Company (7 Tänzer) und der Urban Bush Women Company (7 afro-amerikanische Tänzerinnen) aus New York organisiert. Diese neue Kreation, „Les écailles de la mémoire – Scales of memory“ wurde von Acogny und Jawoll Zollar, dem künstlerischen Leiter der Urban Bush Women, entwickelt und totritte erfolgreich in den USA und Europa.
Eine ihrer weiteren Stücke, „Songook Yaakaar“ wurde im September 2010 während der Biennale de la Danse in Lyon uraufgeführt.
2014 schuf der französische Choreograf Olivier Dubois ein Solowerk für Acogny (‘Mon élue noire - Screen no. 2) zur Originalmusik von Le Sache du Printemps.
2015 entstand ihre neueste Solokreation, „A un endroit du début“, eine Zusammenarbeit mit dem Theaterdirektor Michael Serre, ein Werk, das Tanz, Theater und Video kombiniert. Die Premiere fand im Grand Théâtre de la Ville du Luxembourg im Juni 2015 statt. Acogny arbeitet weiterhin mit internationalen Schulen und Tanzzentren zusammen und unterrichtet regelmäßig Masterklassen. Im Jänner 2015 ersetzte sie ihr Sohn Patrick Acogny als künstlerischer Leiter der Ecole des Sables.
 
 

GOOD TO KNOW

Dancer: Helmut Fixl © Johanna Figl

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Date: 22.08.2019, 15:57 | Link: https://www.impulstanz.com/workshops/2019/id4011/