Julischka Stengele
Perceiving the World – Performative Exercises for Care

© Julischka Stengele
O
Intensive 2, 27.7.+28.7.2024
11:00–17:00
Arsenal F
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In einer beschleunigten, verwundeten Welt, in der Herzen, Köpfe und Leben von Wut, Traurigkeit, Verurteilung, Hass, Ungewissheit und Trennung erfüllt sind, wird es zu einem wirksamen Instrument, um diesen emotionalen Ausnahmezuständen entgegenzuwirken, wenn man jemandem oder etwas Zeit und ungeteilte Aufmerksamkeit schenken.

Doch wie schenken wir unsere Aufmerksamkeit so, dass sie ihre Kraft entfalten kann? Hier kommt die Wahrnehmung ins Spiel. Julischkas These ist: Der Akt des genauen Hinsehens auf jemanden oder etwas ist etwas so radikal Zugewandtes, dass er wenig Raum für Gleichgültigkeit oder Abwertung lässt. Verschiedene Techniken, die zum Teil aus dem Kontext der bildenden Kunst entlehnt sind, können uns dabei helfen. Sowohl Zeit als auch Aufmerksamkeit spielen im Bereich der Performance eine zentrale Rolle, ebenso wie Körper und Raum/Ort. Grund genug, sie gründlich und sorgfältig zu untersuchen.

Das Augenlicht ist zwar für viele Menschen der primäre, aber nicht der einzige Wahrnehmungssinn. Das Auge kann uns immer nur einen Teil der Geschichte erzählen. Um ein Objekt, einen Raum oder eine Person vollständig wahrzunehmen, um ihr ganzes Wesen zu erforschen, müssen wir alle unsere Sinne einsetzen. Jeder dieser Sinne liefert unterschiedliche Informationen. Es kann wirklich augenöffnend sein (Wortspiel beabsichtigt!), auf alles zu hören und vielleicht sogar einen anderen Sinn zum Haupterzähler der Geschichte werden zu lassen.

Im Laufe dieser drei Tage werden die Teilnehmer*innen multisensorische Erkundungen des (Innen-/Außen-)Raums sowie unserer (bekleideten/unbekleideten) Körper vornehmen, in die Dynamik des Schauens und Angeschaut-Werdens eintauchen, sich in genau geführten Settings gegenseitig als Material zur Verfügung stellen, Fragen an den/die Ort(e) stellen, den/die wir bewohnen, Aufzeichnungen machen (schriftliche, mentale oder visuelle Notizen) und üben, unsere Erfahrungen und Erkenntnisse zu verbalisieren. Es gibt Solo-, Duo- und Gruppenübungen.

Dieser Workshop ist stark inspiriert von Julischkas eigener Performance-Praxis, ihrer Vorliebe für ortsbezogene, kontextbezogene Arbeit, ihrer 18-jährigen Erfahrung als Aktmodell und ihrer lebenslangen Erfahrung, sich als queeres/kriminelles Subjekt durch die Welt zu bewegen.

Julischka Stengele
© Julischka Stengele
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