MEG STUART

Eva Würdinger
© Eva Würdinger

The Matter

Zwei Tage lang widmen wir uns dem Zuhören und dem Bedürfnis zu sprechen. Wie kann man sich durch und mit dem Körper artikulieren? Aufstehen kippt ins Liegen, ins Aussitzen und dann ins Weggehen, ins Weglaufen oder Festhalten, Zusammenhalten, Stillhalten. Wir schimpfen und wir toben. Eine unterirdische Redeweise, die reif ist, hervorzutreten. Um es auszusprechen, um es herauszuhören, um die Worte heraus zu bewegen. Bewegung als Text, der von unseren notwendigen, unerbittlichen und ungefilterten Fragen geschrieben wird: Welche Entscheidungen wurden vergessen, nachdem wir Ja gesagt haben? Was kommt nach der Zustimmung und dem Einverständnis? Ist Bekenntnis ein Geschenk an einen anderen, vielleicht an sich selbst? Schimpfen und toben – der Akt des Ausspinnens. Worte bewegen und sich dabei öffnen für Live-Momente der Veränderung, ohne Vermutungen, ohne Vorurteile. Was können wir aus Positionen der Verzweiflung, der Heilung und des Widerstands zusammentragen? Fürsorge heißt Bekenntnis. Sich dazu verpflichten, zuzuhören – immer und immer wieder – zu fühlen, was wir sagen, zu bewegen, was festgehalten wird, zu katalysieren, zu verschieben, es auszusitzen, aufzustehen, zu gehen, wenn nötig, zur Seite zu treten, zu fühlen und immer wieder zum Kern der Sache zurückzukehren.

Live Musik von Mieko Suzuki
Mieko Suzukis Website

ARTISTBIO: Meg Stuart

Meg Stuart ist eine amerikanische Choreografin und Tänzerin, geboren in New Orleans. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Brüssel. Als Tochter von Theaterschaffenden begann Stuart schon früh zu tanzen und zu schauspielern und machte ihre ersten choreografischen Studien im Alter von 15 Jahren. 1983 zog sie nach New York und studierte Tanz an der New York University und bei Movement Research. In diesen frühen Jahren erforschte sie Contact Improvisation und Release-Technik und war aktiv in der Downtown New Yorker Tanzszene involviert, wo sie unter anderem mit Randy Warshaw arbeitete.

Stuart tat 1991 in die Europäische Tanzwelt mit der Kreation ihres ersten abendfüllenden Stücks Disfigure Study ein, das auf Einladung des Klapstuk Festivals in Leuven, gezeigt wurde. Disfigure Study und ihr zweites Stück, No Longer Readymade (1994), etablierten Themen, die während ihrer gesamten Karriere relevant bleiben sollten – die Dekonstruktion und Verzerrung des Körpers und die Assimilation von physischen und emotionalen Zuständen durch Bewegung. Mit ihrer 1994 gegründeten Compagnie Damaged Goods schuf sie über dreißig Produktionen, die von Solos und Duetten wie Maybe Forever (2007), Blessed (2007) und Hunter (2014) bis zu groß angelegten Choreografien wie VIOLET (2011), Celestial Sorrow (2018) und CASCADE (2021) reichen. Ihre Arbeit nimmt auch die Form von multidisziplinären Installationen, ortsspezifischen Kreationen wie Projecting [Space[ (2017-2019) sowie Videoarbeiten an, darunter eine Serie von vier Videos für CC:World (2020), eine Online-Ausstellung des Hauses der Kulturen der Welt.

Als Vermittlerin und Kuratorin schafft Stuart Räume, in denen Künstler*innen und Tanzschaffende ihr Wissen durch Praxis teilen können. Das vielleicht radikalste Beispiel dafür ist ihre Tätigkeit als Kuratorin für den Tanzkongress 2019 in Dresden. Parallel zu dieser Veranstaltung moderierte sie zusammen mit der Choreografin Moriah Evans eine Reihe von Tanzsalons u.a. in New York, Madrid, Bogotá und Ouagadougou, die den aktuellen Stand des Tanzbereichs hinterfragen. Stuart unterrichtet auch regelmäßig Workshops und Meisterklassen. Sie und ihre Mitarbeiter*innen haben bahnbrechende Improvisationsprojekte initiiert, wie Crash Landing (1996–1999), Auf den Tisch! (2004–2011) und City Lights (2016). Seit 2016 betreibt sie zusammen mit Mark Tompkins eine fortlaufende Recherche zur Real-time Composition, die ein Buch, Workshops und Performances unter dem Titel One Shot umfasst.

Stuart ist bestrebt, in Zusammenarbeit mit Künstler*innen aus verschiedenen kreativen Disziplinen für jedes Stück eine neue Sprache zu entwickeln und bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen Tanz und Theater. Frühere Kollaborationen umfassen Arbeiten, die u. a. mit den bildenden Künstler*innen Gary Hill und Ann Hamilton sowie Komponisten wie Hahn Rowe und Brendan Dougherty entwickelt wurden. Die Verwendung von theatralischen Mitteln sowie der Dialog zwischen Bewegung und Erzählung sind wiederkehrende Themen in ihren Choreografien. Stuarts choreografische Arbeit kreist um die Idee eines unsicheren Körpers, der verletzlich und selbstreflexiv ist. Durch Improvisation erforscht sie körperliche und emotionale Zustände oder die Erinnerungen daran. Ihre künstlerische Arbeit ist analog zu einer sich ständig verschiebenden Identität. Sie definiert sich ständig neu, während sie nach neuen Präsentationskontexten und Territorien für den Tanz sucht.

Meg Stuart/Damaged Goods hat eine laufende Zusammenarbeit mit dem Kaaitheater (Brüssel) und dem HAU Hebbel am Ufer (Berlin).

Stand: 13.04.2021

 
 

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Date: 30.07.2021, 05:06 | Link: https://www.impulstanz.com/workshops/2021/artist267/
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