ALESANDRA SEUTIN

Guillaume Kayacan
© Guillaume Kayacan

Germaine Acogny Technique

Germaine Acognys Unterricht hat seine Wurzeln in ihrer spezifischen Technik von modernem afrikanischen Tanz – eine Mischung aus traditionellen westafrikanischen Tänzen (Sahel und Waldgegend) und westlichen Formen des zeitgenössischen Tanzes. Diese Technik ist vergleichbar mit westlichen Techniken wie Graham oder Limon. Sie ist verwurzelt in der Idee, dass afrikanische Tänze in einem kontinuierlichem Dialog mit dem Kosmos stehen.

Germaine arbeitet viel mit Improvisationstechniken und trainiert afrikanische Tänzer*innen auf eine Art und Weise, die sie ermutigt, ihren eigenen Weg zu finden, indem sie ihre traditionellen Tänze in zeitgenössische Ausdrucksformen gießen.

In Übereinstimmung mit Trommler*innen und Schlagzeuger*innen lädt sie in ihr Universum des „Body in Joy“ durch ihre Technik mit sensibler Virtuosität ein. Sie konzentriert sich auf Wirbelbewegungen, da sie die Wirbelsäule als Schlange oder Baum des Lebens betrachtet, und arbeitet somit auch viel mit „contractions“ (Kontraktionen), wellenförmigen Bewegungen, Zittern oder Vibrationen.

Viele ihrer Bewegungen sind von der Natur inspiriert, seien es Pflanzen oder Tiere oder aber auch Elemente des alltäglichen Lebens in Afrika. Sie sind präzise und klar definiert und zutiefst verbunden mit dem Aten. Die Bewegungen in Acognys Technik sind benannt nach symbolischen Naturbildern wie dem Fromager-Baum, der Seerose, oder Hirsch. Das Atmen und das tief Verwurzelt-Sein sind auch wichtige Bestandteile der Übungen, welche die Befreiung des Körpers, das Anders-Fühlen, das im Boden Verwurzelt-Sein und das vertikal Sich-Besser-Fühlen ermöglichen. Die Bewegungen sind auch dazu gedacht, das Tanzvokabular von Tänzer*innen zu erweitern.

Germaine Acognys Kurse bestehen aus drei Teilen:
- im Kreis oder im ganzen Raum aufwärmen (30 Minuten)
- im Stehen oder am Boden die verschiedenen Bewegungen der Technik kennenlernen (30 Minuten)
- die verschiedenen Bewegungen in Kombination ins Tanzen einfließen lassen (1 Stunde)

Sie fordert die Welt des westlichen Tanzes dazu auf, afrikanischen Tanz aufzunehmen und seine Fülle, Kraft und seine tellurische Stärke als neue Inspirationsquelle zu sehen.

Musikalische Begleitung
Tänzer*innen sollen möglichst wenig den Takt zählen, sie sollen viel eher den Musiker*innen zuhören, um den Rhythmus zu spüren und Stops und Beginn oder Wechsel zu erwarten. Musiker*innen sind mehr als nur begleitende Figuren; sie helfen uns „unsere Ohren zu öffnen“, unerwartete Bewegungsqualitäten zu inspirieren und somit zur Entwicklung der körperlichen Sprache beizutragen.

Sobald Teilnehmer*innen die Technik und Bewegungen aufgenommen haben, beginnt Germaine Acogny mit Improvisationen, in denen die erlernten Elemente mit eigenen Tänzen und Tanztraditionen verbunden werden können. Germaine Acognys Technik hilft den Tänzer*innen, die eigene Körpersprache aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen, zu analysieren und auf kreative Weisen zu verwenden. Ihre Arbeit hat einen starken Afrikabezug, öffnet sich aber zugleich auch dem ganzen Universum.

ARTISTBIO: Alesandra Seutin

Alesandra Seutin ist die neue künstlerische Leiterin der École des Sables. Die internationale Performerin, Choreografin und Dozentin Alesandra Seutin (Tochter von südafrikanischen und belgischen Eltern) wurde in Harare, Simbabwe, geboren. Sie wuchs in Brüssel auf und lebt heute zwischen London und Brüssel. Sie studierte auf der ganzen Welt Tanz, in Europa, Afrika, Asien und den Vereinigten Staaten. Sie erhielt einen Abschluss in Tanztheater vom Trinity Laban Conservatory und in Choreografie und Performance von der Middlesex University in London. Außerdem studierte sie an der École des Sables im Senegal, wo Germaine Acogny ihre Technik an sie weitergab. Heute ist Seutin eine Botschafterin dieser Technik, die sie an der École des Sables und in der ganzen Welt unterrichtet.

Seit der Gründung ihrer Compagnie Vocab Dance 2017, hat sich Alesandra Seutin nach und nach einen internationalen Ruf für ihre nachdenklich stimmenden und visuell beeindruckenden Kreationen aufgebaut, ob für kleine Bühnen, große Veranstaltungsorte oder auch an öffentlichen Orten. Themen, die soziale, politische und wirtschaftliche Fragen tangieren und reflektieren, regen ihre Kreativität an. Durch Bewegung, Stimme und Musik schafft sie Bilder, die Diskussionen auslösen. Zu ihren jüngsten Produktionen gehören: Giant, ein immersives Tanz- und Installations-Duo und eine neue Gruppenchoreografie, Boy Breaking Glass, die im Oktober 2018 in Sadler's Wells, London, uraufgeführt wurde und Dear Winnie, das seit 2019 durch die Niederlande und Belgien tourt. Alesandra Seutin unterstützt auch junge aufstrebende Tänzer*innen und Choreograf*innen und war kürzlich Dramaturgin und beteiligte sich an der Entstehung der Show À travers l'autre für die Zwillinge Doris und Nathalie Bokongo Nkumu, bekannt als Les Mybalés. In der Saison 2020-21 wird sie außerdem als künstlerische Leiterin der National Youth Dance Company (NYDC) in Sadler's Wells zu Gast sein.

Stand: 21.05.2021

 
 

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Date: 25.06.2021, 14:57 | Link: https://www.impulstanz.com/workshops/2021/artist1918/
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