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IRENA Z. TOMAžIN

© Peter Gannushkin
© Nada Žgank
© Nada Žgank
© Nada Žgank
© Jani Peternelj
© Tomaž Šantl

Voice as body, text and music

Hineinhören und Lieder finden

Die Stimme hat viele Körper. Der Körper hat viele Stimmen. Wenn du einen Text ohne Melodie hast, dann brauchst du nur solange in die Stille hineinhören, bis ein Murmeln zu einem Rhythmus wird, eine Melodie dich zu verführen beginnt, deinen Körper juckt und in dein Herz trifft. Um dir selbst zuzuhören, brauchst du Mut.

Während dieser Woche versetzen wir den Körper durch das Singen in Schwingungen und lassen ihn unsere Stimmen tragen. Wir kommen in unserer Stimme an, indem wir Körperübungen machen, wie z.B. Übungen für das Zwerchfell, um einen längeren Atem zu bekommen. Wir massieren den Körper und richten ihn so aus, dass wir der Flut an Emotionen zuhören können, die beim Öffnen der Körperresonatoren freigesetzt wird. Der erste Teil besteht aus einem Warm-Up mit Übungen allein, in der Gruppe und mit Partner_innen. Indem wir den Bewegungen bei Improvisationsaufgaben folgen, erkunden wir wie Bewegung und Stimme miteinander verbunden sind und wie sie sich ergänzen können. Durch Improvisation können wir die persönlichen Stimmidentitäten offenlegen, die für uns wie Spiegel unsere eigenen Stärken und Schwächen reflektieren. Wenn wir genau hinhören, können wir nicht nur mehr über uns selbst erfahren, sondern auch die ganz persönlichen Lieder entdecken. Durch Atmung und Tiefenentspannung schwingen wir mit unserer Stimme, hören ihr zu und gelangen zu unseren eigenen Rhythmen und Melodien, die wir ursprünglich mit uns tragen. Diese Experimente mit Sound machen Platz für verschiedene Facetten und Geschichten, die wir dann gemeinsam verstärken können. Indem wir den Raum mit unseren Stimmen bewegen, bekommen wir ein Gefühl dafür, wie wir unsere Umgebung durch Geräusche berühren können.

Ebenso probieren wir uns an vorgegebenen Texten, betrachten diese als akustische Kompositionen, verkörpern sie und lassen diese Verkörperung zu einem Lied erklingen, oder sprechen sie einfach nur. Wenn wir an einen Text musikalisch herangehen, können wir ganz andere Interpretationen finden, ihm einen Stimmcharakter geben, ein improvisiertes Musikstück oder eine Bewegungssequenz. Bitte bring einen kurzen Text mit. Es kann ein Ausschnitt eines Theaterstücks, ein Stück Prosa, ein Gedicht oder einfach nur einige Zeilen deiner Wahl sein.

An jedem der fünf Tage beenden wir die Klasse mit einer Einzel-Session und einem Gruppen-Gesang. Während der Woche arbeiten wir außerdem an einem Volkslied, wahrscheinlich ein slawisches. Indem wir das Lied singen – so einfach wie Singen sein kann – üben wir uns in Geduld und das Einlassen auf das Lied – wir nehmen das Lied wahr, statt es einfach zu üben. Es ist ein Lied, das bereits seit mehreren Jahrzehnten existiert, also geht es mehr darum, sich dafür zu öffnen und herauszuhören, was es uns über uns selbst beibringen kann.

ARTISTBIO: Irena TOMAŽIN

Irena Z. Tomažin ist Tänzerin, Sprech- und Bewegungskünstlerin sowie Philosophiedoktorandin, die ihr Zuhause nahe Ljubljana gefunden hat. Irena ist ganz grundsätzlich besessen vom Körper und seinen vielen Stimmen. Diese Besessenheit manifestiert sich auf verschiedenste Weisen: in Gedanken, Liedern, Spoken-Word-Veranstaltungen und experimentellen Konzerten sowie durch das Regie führen bei Tanz- und Theaterstücken. Manchmal entsteht sie in den Aufeinandertreffen und Kollaborationen mit anderen Künstler_innen, manchmal durch das Alleinsein, welches ihr erlaubt, Raum für das In-sich-hören und Zuhören zu schaffen. Ihre Tanzausbildung begann mit dem Drang nach Bewegung und dem Loslassen innerer Spannungen und Inspiration. Seitdem hat sich ihre Performance-Praxis mehr der Erforschung der verkörperten Stimme hinzugewandt.

In den letzten zehn Jahren hat Irena eine Reihe von Stimm- und Bewegungssoli, Duetten und Gruppenarbeiten geschaffen, neben Zusammenarbeiten mit anderen Künstler_innen sowie Auftritten in verschiedenen Tanz- und Theaterproduktionen: „Hitchcock’s Metamorphoses" mit Komponistin Mitja Reichenberg, „Caprice“ (2005), „Caprice (re)lapsed“ (2006), „Like a raindrop into the mouth of silence“ (2008), „Out of discord“ mit der Tänzerin Josephine Evrard (2010), „Taste of silence always resonates“ (2012). Letzteres wurde mit einem Publikums- und Jurypreis für die Beste Performance beim Gibanica Festival/Ljubljana ausgezeichnet. Das Bewegungssolo, das dem Stück „Body of Voice“ (2015) folgte, ist eine Weiterführung der Recherche der Videoinstallation „Faces of Voices / noise“ (2014), in dem sie begann, der Stimme als Ansammlung von Geräuschen und Lauten anstelle einer menschlichen Ausdrucksform zuzuhören. Das aktuellste Stück ist eine Gruppenperformance, die sich „Moved by voice” (2017) nennt. Was auch immer sie bis jetzt kreiert hat, fühlt sich noch immer unvollständig an. Dies führt zu immer mehr Fragen und neue Forschungsrichtungen, die sie erkundet.

Als live-Sängerin arbeitet Irena u.a. mit Sound Producer Aldo Ivančič zusammen, mit dem sie 2011 das Album Crying Games für Atol and Taste of Silence (2014) für Kamizdat veröffentlicht hat, während sie in Ivančičs Bands Bast Kolektiv und Borghesia sang. Als experimentelle Stimmkünstlerin ist sie aktiv in der europäischen Szene der improvisierten Musik und hat laufende Projekte mit einigen der weltbekanntesten Improvisationskünstler_innen. Sie ist bereits bei vielen internationalen Festivals und Spielorten aufgetreten, u.a. in den USA, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Serbien, Ungarn, Polen und Österreich. Sie hat dabei die Alben That which happens is itself dripping red mit Marko Karlovčec (2009, Botanic Records) und Ljubljana–Wien mit Christof Kurzmann (2013, L'innomable) veröffentlicht. Seit 2006 ist sie mit ihrem experimentellen Stimmkonzert „iT“ regelmäßig auf Tour.

Als Lehrerin teilt Irena ihr Wissen und ihre Erfahrung regelmäßig in ihren Workshops in Europa (Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien, Italien, Deutschland, Belgien) mit, was sie auch bis nach Baltimore (US), Tokio (JP) und Beirut (LB) geführt hat. Sie ist eine der wichtigsten Lehrerinnen am TWIS – The World Is Sound / Berlin – eine Plattform, die von Alessio Castellacci initiiert wurde und sich der Erforschung der menschlichen Stimme als Medium für physischen Ausdruck in Contemporary Performance widmet.
 
 

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Date: 18.07.2018, 20:13 | Link: https://www.impulstanz.com/workshops/2018/id3815/