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CLAIRE VIVIANNE SOBOTTKE

Tian Rotteveel
© Tian Rotteveel

strange songs

Wahrheit sprechen

Dieser Workshop wird für die letzten zwei Tage vom Choreographen und Komponisten Tian Rotteveel musikalisch begleitet.

Betrachtet man Musik als Ersatz für Sprache, dann ist Singen eine Art des Sprechens. Der Gesang bricht mit der Hierarchie der rationalen Sprache. Er trachtet nicht danach verstanden zu werden und auch nicht danach spezifischen Inhalt zu erschaffen, sondern adressiert das Ding selbst – das, was wir nicht in Worte fassen können. Ein Lied ist ein sinnliches Dokument, es bezieht den ganzen Körper ein und kann potentiell alles berühren, was man fühlen und denken kann. Singen ist so riskant wie die Wahrheit zu sagen.

In diesem Workshop untersuchen wir das Singen und das Songschreiben im weitesten Sinne. Wir arbeiten mit verschiedenen Sprech- und Gesangssituationen und manifestieren die Stimme als Ort und Motor, aus dem Tanz und Bewegung entstehen kann. Indem wir die Stimme fragmentieren, dekonstruieren, entfremden und intensivieren, erforschen wir hyperphysische Arten von Gesang, die selbst zu einer Art des Tanzens werden können.

Lasst uns Lieder machen, die nicht von Text und Melodie abhängen, sondern die Möglichkeiten der Stimme – mit all ihren feinen Tönen und verletzlichen Nuancen aber auch ihren rohen und ungezähmten Zuständen – erforschen. Lass uns seltsame Lieder erschaffen, für eine seltsame Welt, weinende Lieder, stille Lieder, atmende Lieder, Punksongs und Gedichte. Lasst uns Lieder für die Liebe und die Wut machen.

In diesem Workshop verwenden wir die Stimme um zu Schwindler_innen zu werden, die unsere Körper mit neuen Wegen ausstatten. Indem wir unsere Stimme entfremden und auf eine uns nicht bekannte Art und Weise verwenden, wird sie unseren Körper dazu inspirieren, die Perspektive zu ändern. Dadurch produzieren wir unterschiedliche Inhalte und bewegen uns durch temporäre Identitäten, Formen und Zustände. Wir ergründen die Beziehung zwischen dem Körper und der Stimme als eine Traumlandschaft für das fiktive Selbst. Wir nützen die Stimme als ein ultimatives transformatives Organ, das viel flexibler als der Körper ist. Mit unserer Stimme können wir das Geschlecht verändern oder rückgängig machen und Hybride erscheinen lassen, uns irgendwo zwischen Mann und Frau bewegen, Engel und Monster, Tier und Mensch, abstrakt und konkret.

Lasst uns die Stimme für Verkörperung und Exorzismus, als politisches Werkzeug und zum Whistleblower gebrauchen – für das sprechen von Wahrheit und das Lügen erzählen, für die Verführung und den Ruf, für Manipulation und Deklaration, für die Reinigung und die Heilung. Lasst uns die Stimme wie einen Geist betrachten, eine Langzeitpraxis entwickeln, einen Chor gründen und über die Zukunft lachen. Lasst uns Traumsprache sprechen, Politisches und Privates aussprechen und die Stimme verlieren und genießen.
 

ARTISTBIO: Claire Vivianne Sobottke

Claire Vivianne Sobottke lebt in Berlin und ist Choreografin, Performerin und Tänzerin. Sie definiert ihre Arbeit als Ort des Widerstands und des Verfalls, in dem die Normen des Denkens und Sehens herausgefordert oder verändert werden können. Sie ist fasziniert von dem Werden von Körper und Geist in sinnlichen choreografischen Prozessen. 2017 wurde sie vom Magazin Tanz als Hoffnungsträgerin im Tanz nominiert und erhielt den Fm4 Award beim ImPulsTanz Festival für ihr Solo strange songs. 2013 erhielt sie das danceWEB-Stipendium bei ImPulsTanz. 2014 kreierte sie zusammen mit Tian Rotteveel „Golden Game“, welches den Beginn ihrer fortlaufenden Zusammenarbeit, sowohl im Tanz als auch in der Musik darstellt. Stimme, Sound und Sprache sind der Motor für die Choreografie und die Inhalte in Claires Arbeit. Sie arbeitet mit der Stimme in ihrer ungezähmten Form, aber auch mit verschiedenen Arten von Sprechen und Singen. Aus dieser Praxis resultierte 2016 das Stück „strange songs“. Mit dem Stück „in the woods“ (2016), das im Rahmen von WITCH DANCE PROJECT in den Sophiensälen in Berlin präsentiert wurde, kreierte sie eine performative Reaktion auf Mary Wigmans „Hexentanz“ und rückte damit ihre Praxis der Verkörperung der Weiblichkeit mehr in den Vordergrund. 2017 initiiert sie Amazonas, eine interdisziplinäre Plattform zur Unterstützung und Vernetzung von Künstlerinnen in Berlin. Diese Initiative unterstützt Künstler_innen und ihre Recherchen und ermutigt zu einer spielerischen Begegnung und Konfrontation von gender-politischen Einschränkungen, Strukturen und Beschriftungen.

Claire entwickelte in den letzten Jahren verschiedene Unterrichtsformate für u. a. den Pact Zollverein Essen, HZT Berlin und Uniarts Helsinki. Derzeit befasst sie sich mit ihrer neuen Recherchearbeit „disruptive feminities“ (Arbeitstitel).
Sie arbeitete zusammen mit u. a. Meg Stuart/Damaged Goods, Tino Sehgal, Tian Rotteveel, Christoph Winkler, Karol Tyminski, Institutet, Rita Vilhena, Johannes Schmit, Sheena Mc Grandles, Anna Nowicka, Theo Solink und Gaëtan Rusquet.
 
 

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REBECCA PATEK "ineter(a)nal f/ear" © MARIA BARANOVA

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Date: 18.07.2018, 20:12 | Link: https://www.impulstanz.com/workshops/2018/id3798/