Research 2012

Research 2012

© Krõõt Juurak & Maria Hassabi

Maria Hassabi & Krõõt Juurak
WORKSHOP

© Krõõt Juurak & Maria Hassabi
Coaching Project
Week 4, 6.8.–10.8.2012
10:00–16:00
VOP 2
WORKSHOP Aufmerksamkeit, Selbst-Reflexion, Performance Wir möchten beim Anfang beginnen. In diesem Coaching Project handelt es sich um den Workshop selbst. Darüber einen Workshop über einen Workshop zu machen, übers Lernen lernen, über das Reden reden. Das ist die Ausgangssituation. Alles beginnt mit der Situation. Eine Situation ist immer einzigartig und wiederkehrend zugleich. Wir wollen die Situation nicht ändern, sondern sie performen. Richtig oder falsch performen, das kommt auf die Situation an. Einen Workshop performen, ein Performance-Workshop, eine Workshop-Performance. Das Medium des Performens ist die Aufmerksamkeit. Wir hätten gern eure Aufmerksamkeit! Selbstreflektierter Tanz, selbstreflektierte Choreografie, selbstreflektiertes Lernen, selbstreflektierte Pausen. Wie wir alle wissen – Selbst-Reflexion ist extrem langweilig, überhaupt nicht lustig, egozentrisch, engstirnig, klischeehaft, passiv, feige, verbohrt, eine billige Ausrede und dergleichen. Selbst-Reflexion wurde in den letzten Jahren oft als Überbegriff für etwas gebraucht, das normalerweise als negative Eigenschaft für die Arbeit stand, auf die sie sich bezog. Selbst-Reflexion steht oft für Selbst-Eingenommenheit, Narzissmus, Eitelkeit etc. Außerdem verwirrt uns der unklare Gebrauch von Selbstbezüglichkeit im Gegensatz zu Selbst-Reflexion, wobei erstere meist der letzteren vorgezogen wird, oder genau umgekehrt. „Workshop“ konzentriert sich auf zeitgenössische Konstrukte von Performativität und auf das Format Workshop an sich. Bei „Workshop“ geht es darum zu werden, was man eh schon ist. „Workshop“ bittet die TeilnehmerInnen sich an den äußersten Grenzen der Seele anzusiedeln, in alle Richtungen auszuschwirren und im Endeffekt nirgends zu landen. Teil von „Workshop“ sind Erfindung und Übung von Disziplin, StudentIn und Workshop-Leiter sein. Das ist die erste Ebene dieser vielschichtigen Performance, die über die Workshop-Stunden, Pausen und schließlich über die Stunden des Wach-Seins hinausgehen wird. Unendliche Spiele, in denen man nicht völlig sicher sein kann, welche Entscheidungen als nächstes zu fällen sind, von Zeit abhängige Arten des Seins, Aufmerksamkeits-Räume, kollektive Formen der Autorenschaft, Autobiografie als Hilfsmittel für die kollektive Spekulation, Empörung über Erfahrungen und Emotionen, unbegründete Schlussfolgerungen. Im Endeffekt wollen wir Spaß haben. Aber wie das so ist mit dem Spaß: je mehr man darüber nachdenkt und versucht daraus einen Workshop zu machen, umso verschwommener, verwirrender und sogar irritierender wird es. Bei „Workshop“ geht es darum, Enthusiasmus zu zügeln. Schließlich gibt es das Problem der Schreibweise. Selbst-Reflexion, Selbst-Reflektion, Slebst-Reflexion etc. AutoKorrektur. Maria Hassabi ist eine in New York lebende Regisseurin/Choreografin/Performerin. Im letzten Jahrzehnt kreierte sie acht abend-füllende und acht kurze Stücke. Ihre Arbeiten wurden in den USA und bei zahlreichen Festivals in Europa gezeigt. Im Laufe ihrer Karriere arbeitete sie mit KünstlerInnen aus den verschiedensten Disziplinen, performete und schuf Arbeiten für das Theater, Galerien, Museen und Film. Maria Hassabi erhielt Förderungen von der Foundation for Contemporary Arts, dem Artist Award 2009 und ist 2011 Guggenheim Fellow. Krõõt Juurak ist Regisseurin/Choreografin/Performerin und wurde 1981 in Tallinn (Estland) geboren. Seit 2002 kreierte sie die Stücke „Camouflage“ (mit Merle Saarva), „Artistic Approach“, „Look Look“ (mit Anne Juren), „Once Upon“ (2006), „Burning Down the House“ (2008, mit Laura Kalauz), „Autodomestication“ (2009), „Scripted Smalltalk“ (2009), „Ride the Wave Dude“ (2010, mit Mårten Spångberg) und „Presentation“ (2012), die alle international tourten. Sie arbeitet laufend in Projekten mit EVERYBODYS, Chicks on Speed, Multiplex Fiction und Pelican Avenue, zusammen und studiert derzeit am Sandberg Institute in Amsterdam.
Maria HassabiKrõõt Juurak
© Krõõt Juurak & Maria Hassabi
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Date: 30.09.2022, 05:06 | Link: https://www.impulstanz.com/research/id1972/