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JEAN ABREU & GUY COOLS

Solo For Two © Ambra Vernuccio
© Julian Cole
© Koen Broos Eastman
© Michael Reinhart
© Michael Reinhart

LAMENTS

Eine Recherche zur Körpersprache von Wehklagen

featuring Irene Coticchio von den Cowbirds

Der brasilianisch-britische Choreograf Jean Abreu und der in Wien lebende belgische Tanzdramaturg Guy Cools möchten im Zusammenhang mit einem neuen Stück, das sie für 2020 vorbereiten, ihre gemeinsamen Recherchen auf dem Gebiet der körperlichen Sprache von Trauer in diesem Field Project vertiefen.

Wie gehen wir mit Verlusterfahrungen um? In den meisten Kulturen wurden Trauerrituale vollzogen, um Trauer und damit einhergehende Gefühle wie Schwermut, aber auch Wut auszudrücken. Wir müssen unserer Trauer Ausdruck verleihen, damit diese Gefühle sich auflösen und der Energiefluss im Körper wiederhergestellt werden kann. Eine der wirksamsten Methoden dazu sind verschiedene Arten des Wehklagens, die in den meisten Kulturen vorhanden waren, im 20. Jahrhundert allerdings in Vergessenheit zu geraten drohten. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich sowohl Wissenschaftler_innen als auch Künstler_innen mit traditionellen Formen wie der griechischen Miroloi oder dem irischen Keening beschäftigt, um sie wieder aufleben zu lassen und in zeitgenössischer Praxis auszudrücken.

Traditionelle Klagelieder treten in einen Dialog mit den Abwesenden (nicht nur durch den Tod, sondern z. B. auch, weil sie ausgewandert sind). Sie sind vom Aufbau her polyphon, wobei sich Passagen mit und ohne Sprache (stilisiertes Schreien und Schluchzen) abwechseln. Und sie wurden oft von ritualisierten Bewegungen begleitet.
Jean Abreu und Guy Cools haben einen Teil dieser Traditionen bereits bei ihrer Zusammenarbeit für Solo for Two untersucht. Nun weiten sie ihre Recherchen für die Erarbeitung eines neuen Trios aus. Sie möchten herausfinden:
• wie Polyphonie und polyphone Musik als strukturelle Elemente für ein choreografisches Experiment eingesetzt werden können. Dieser Aspekt wird auch Stimmarbeit beinhalten, möglicherweise werden einige Lieder erlernt.
• wie der repetitive und zyklische Aspekt von Klageliedern als Verkörperung von Verlust und das unerbittliche Auf und Ab an Empfindungen untersucht werden können.
• wie eine körperliche Sprache entwickelt werden kann, die diese Unerbittlichkeit der Trauer ausdrückt, um Wege des Loslassens zu finden: Es soll nicht nur das „Fallen“ erforscht werden, sondern auch das „Wiederaufstehen“.
• wie die in der Verletzlichkeit und in der körperlichen Darstellung der eigenen Gefühle steckende Kraft, meist eine weibliche Kraft, untersucht werden kann.
• Letzteres hat auch eine politische Dimension, da die traditionellen Klagelieder nicht nur eine Möglichkeit darstellten, Schmerz auszudrücken und letztendlich loszulassen, sondern oft auch zum Protest gegen das Patriarchat wurden.

Zum Field Project laden wir professionelle Tänzer_innen und Sänger_innen ein, die mit uns gemeinsam herausfinden möchten, wie die Sprache der Wehklage im heutigen Kontext stimmlich und körperlich ausgedrückt werden kann.

Irene Coticcho von den Cowbirds wird dieses Field Project täglich mit einer Einheit für polyphonen Gesang beginnen.

Irene Coticchio
Irene Coticchio (geboren in Sizilien) ist Schauspielerin, Performerin, Sängerin und Sprach- und Literaturwissenschaftlerin. Als Performerin ist sie international tätig, mit zahlreichen Projektbeteiligungen (u.a. bei Robert Wilson, Andrew De. L Harwood, Daria De Florian, Walter Manfrè) und eigenen Produktionen. Sie forscht in verschiedenen künstlerischen Bereichen, ihr Interesse gilt insbesondere grenzüberschreitenden Formaten.
Seit 1996 lebt und arbeitet sie in Wien. Von 2001-2018 war sie Ensemblemitglied der Performance-Gruppe Toxic Dreams. Seit 2006 widmet sie sich der Recherchearbeit über sizilianische und süditalienische Volksmusik. 2008 hat sie das Irene Coticchio Trio/Continente Liquido gegründet, mit dem sie regelmäßig auftritt. Außerdem ist sie Gründungsmitglied des Kollektivs cowbirds, das sich traditionellen polyphonischen Liedern aus Korsika und Sizilien widmet.
Daneben arbeitet sie mit dem Musiker Dimitris Kontouras (GR) und dem Komponist Periklis Liakakis (GR/A) zusammen, ist Stimmcoach für Sänger, Schauspieler und Tänzer, und hält Vorträge über süditalienische Volksmusik (u.a. am Institut für Romanistik der Universität Wien).

ARTISTBIO: Jean Abreu

Der Choreograf und Tänzer, Jean Abreu (geboren in Brasilien) zog 1996 nach London, um im Rahmen eines Stipendiums am Trinity Laban Conservatory Musik und Tanz zu studieren. 2003 choreografierte er sein erstes Stück „Hibrido“,wurde Associate Artist bei The Place Theatre in London und erhielt den Jerwood Choreograph Award. Seitdem wurden seine Werke in Großbritannien, Europa und Brasilien aufgeführt, u.a. beim Julidans Festival, Dance Umbrella, Southbank Centre und dem Auditorio Ibirapuera São Paolo. 2009 gründete er Jean Abreu Dance und im Jahr darauf brachte er das erste Compagnie-Stück „INSIDE“ beim Edinburgh Festival zur Premiere, mit live Musik von der glitch Rockband 65daysofstatic, was von Kritikern hochgelobt wurde. Den ersten Teil einer Trilogie an Soli, „BLOOD“, welches u.a. vom Royal Opera House London beauftragt wurde, kreierte er 2013 in Zusammenarbeit mit den britischen bildenden Künstlern Gilbert and George. 2015 entwickelte er „A Thread“, eine internationale Zusammenarbeit mit der renommierten brasilianischen bildenden Künstlerin und Bildhauerin Elisa Bracher, die Tanzkünstler_innen aus China, Großbritannien und Brasilien zusammenbrachte. Unterstützt wurden sie von der Itau Cultural Foundation (IT), dem Southbank Centre und der Arts Council of England. Sein jüngstes Werk „Solo for Two“ (2018) ist das zweite von drei Soli, in welchen er seiner zwischenkulturellen Identität nachgeht, diesmal in Zusammenarbeit mit dem belgischen Tanzdramaturgen Guy Cools, unterstützt vom Arts Council of England und beauftragt von Southbank Centre und dem Horniman Museum. „Solo für Two“ tourt momentan in Großbritannien und wird 2019 in Brasilien, China und Portugal aufgeführt.

Jean sammelte bereits viel Unterrichtserfahrung in seiner Bewegungspraxis, in renommierten Tanzorganisationen sowie Universitäten in Großbritannien und international, wie z.B. dem London Contemporary Dance School, London Studio Centre, Dance Base (Schottland), Internationales Festival Morelos (Mexiko), Roger Williams University (USA), New York University (USA) und dem Balance Arts Centre (China). Zurzeit ist er regelmäßig Gastkünstler an der Bath Spa University, Portsmouth University, University of Bath, Greenwich Dance und der Beijing Dance Academy.

ARTISTBIO: Guy Cools

Dr. Guy Cools ist Tanz-Dramaturg und lebt in Wien. Er arbeitete unter anderem als außerordentlicher Professor am Forschungsinstitut Arts in Society an der Fontys Schule für Bildende und Darstellende Kunst in Tilburg und als promovierter Forscher an der Universität in Gent, wo er seinen Doktoratsabschluss über die Beziehung zwischen Tanz und dem Schreiben erhielt. Er arbeitete als Tanzkritiker, Kurator und Entscheidungsträger im Bereich Tanz in Flandern. Derzeit widmet er sich der Produktionsdramaturgie und trägt zu Arbeiten von Choreograf_innen in Europa und Kanada bei, wie unter anderem: Koen Augustijnen (BE), Sidi Larbi Cherkaoui (BE), Danièle Desnoyers (CA), Lia Haraki (CY), Christopher House (CA), Akram Khan (UK), Arno Schuitemaker (NL) und Stephanie Thiersch (DE). Er doziert und publiziert regelmäßig und entwickelte eine Serie von Workshops, um Künstler_innen und Choreograf_innen in ihren kreativen Prozessen zu unterstützen. Seine neuesten Publikationen sind u.a.: The Ethics of Art: ecological turns in the performing arts, herausgegeben mit Pascal Gielen (Valiz, 2014); In-between Dance Cultures: on the migratory artistic identity of Sidi Larbi Cherkaoui and Akram Khan (Valiz, 2015) und Imaginative Bodies, dialogues in performance practices (Valiz, 2016), eine Serie von publizierten Live-Interviews mit Größen des zeitgenössischen Tanzes, die Cools zwischen 2008 und 2013 am Sadler's Wells in London kuratierte. Mit der kanadischen Choreografin entwickelte er die Performance-Praxis „Rewriting Distance“, die sich auf die Integration von Bewegung, Stimme und Schreiben konzentriert.
 
 

GOOD TO KNOW

A FUTURE ARCHEAOLOGY 2014 © BETTINA VISMANN

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Date: 17.06.2019, 09:19 | Link: https://www.impulstanz.com/research/2019/id4020/