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JENNIFER LACEY

Karolina Miernik
© Karolina Miernik

Institute of the Kenns

Ein Entspannungstanz mitten im immer Irrelevanteren, um auf die derzeitige Unmöglichkeit der Subversion zu kommen. Ein ästethisches Vorhaben.

Ken Russell und Kenneth Anger – ich google immer wieder mal beide Namen zusammen und es kommt nichts dabei raus. Das versteh ich eigentlich nicht. Es gibt eindeutig viele Überschneidungen eines magisch-schlechten Geschmacks und einer Vorliebe für schlechte Magie. Beide machen Filme, die wie Tänze aussehen und die Kostüme sind großartig. Jack Smith erscheint in den Träumen der beiden und wahrscheinlich schickt Aleister Crowley beiden Weihnachtsgrüße. Warum gibt es kein Institut der Kenns? Wir werden diesem Mangel Abhilfe leisten. Als ältere (einer beinahe schon an der Schwelle zum Tod) weiße Anglo-Typen und eindeutige Produkte sowie Produzenten der Mitte des 20. Jahrhunderts, sind die beiden auf der eher altmodischen Seite zu finden. Es gibt nichts, was auf Anhieb aufregend oder frisch oder gar dringlich ist und dennoch können wir in dieser rückläufigen Relevanz Platz fürs Neuentdecken finden.

Beide wurden 1927 geboren, beide machten sehr seltsame Filme, die nie wie Filme von anderen aussahen. Trotz ihrer weißen Männlichkeit sind sie beide ziemliche Außenseiter-Freaks. Als die Studiosysteme in England und Hollywood Russell im Stich ließen, verließ er das VHS-Format und filmte C- und B-Movies in seinem Garten. Kenneth Anger kreierte Hollywood Babylon, das sagt doch alles.

Ihre Filme zeigen einen Glauben an das Symbol und an das Fleisch, ergeben aber keinen Sinn. Beide praktizieren die Magie der Subversion, aber was genau ist das eigentlich? Bei jedem von beiden ist es ganz was anderes: Russell reibt sich an dem Normativen, um sich zu befreien. Anger hat etwas ganz anderes zum Ziel (vielleicht). Wo ist unser Verständnis von Identität, Symbol, dem Fleisch und dem Widerstand heute zu finden? Was wollen und brauchen wir von diesem Moment der Rekalibrierung? Es ist so ein reichhaltiges Chaos. Lasst uns etwas Zeit mit unseren bösen Onkeln verbringen, Tänze kreieren im Mulch des auseinanderbröckelnden Patriarchats.

Ich wünsche mir, dass wir den Raum zwischen diesen wunderbaren Spinnern erfinden und uns aneignen, indem wir die Tänze, die in den Filmen vorkommen neu erschaffen und wieder erobern, und diese so oft tanzen, bis sie sich uns offenbaren oder sich hinlegen oder gar sterben. Wir können nicht wissen, was passieren wird. Der schiere Akt der Vertiefung in diese Bilder und diese Arbeiten führt dazu, dass wir den richtigen Zauber für jede/n einzelne/n von uns finden, oder zumindest für das, was wir fürs Erste wissen müssen. Es geht nicht um die Kunst oder die Künstler, sondern um den schmalen Raum zwischen ihnen, der uns für eine kurze Weile lang festhalten wird, um zu sehen, was wir dort, in uns selbst und um uns herum finden werden. Es wird eine Verjüngungskur in einem Gruselwald sein.

Karten auf den Tisch: ich bin niemals über Glenda Jackson in Women in Love beim Vieh wegtanzen, hinweg gekommen. Dort fangen wir mal an:
https://www.youtube.com/watch?v=fYCQok8xVbo

ARTISTBIO: Jennifer Lacey

Jennifer Lacey ist Choreografin und Tänzerin aus New York, die zurzeit in Paris lebt. Ihre Erfahrungen in New York sind breit gefächert, von fünf Jahren bei der Randy Warshaw Dance Company, bis zu eher experimentellen Arbeiten mit Yvonne Meier und Jennifer Monson. 1991 begann sie, ihre eigenen Arbeiten zu entwickeln, und präsentierte sie u.a. bei P.S. 122, The Kitchen, Movement Research Danspace St Marks und auch an europäischen Häusern und Festivals wie bei Kaaitheater, Beaubourg/Centre Georges Pompidou, Festival d'Autumn, Wiener Festwochen, Tate Modern und Montpellier Danse.

Im Jahr 2000 zog Lacey nach Paris, wo sie gemeinsam mit Carole Bodin „Megagloss“ gründete und zudem ihre langjährige Zusammenarbeit mit der Künstlerin Nadia Lauro ihren Ausgang nahm. Daraus entstanden Werke wie „$Shot“, „Chateaux of France“, „Mhmmmmm“ oder „Les Assistantes“. 2007 erschien eine Monographie über die Zusammenarbeit.
Neben ihrer Arbeit mit Nadia Lauro initiierte Lacey mehrere grenz- und disziplinübergreifende Projekte: „Projet Bonbonnière“ - ein Forschungs- und Wohnprojekt mit dem Ziel, italienisch geprägte Theater wieder zu beleben; „Prodwhee“ – eine einmalige Performance-Reihe, die Residencies als Währung verwendet; „Robinhood“ - eine mystische und nicht sichtbare Performance mit dem Künstler Cerith Wyn Evans; „Robinhood - The Tour“ - eine Diebstahlaktion, durchgeführt mit dem Komponisten und Musiker Hecker und kürzlich in der Tate Modern präsentiert; „Transmaniastan“ - eine Arbeit, die als eine choreografische Ausstellung für die Kunsthalle in St. Gallen konzipiert wurde.
Jennifer Lacey entwickelte zudem mehrere Solostücke: „Two Discussions of an Anterior Event“ (2004), „Tall“ (2007) und „Ouch“ (2007). 2009 premierte ihr Stück „Culture & Administration“, ein Duett, das sie gemeinsam mit Antonija Livingstone erarbeitete. In den vergangenen zwei Jahren war sie Artist-in-residence bei den Laboratoires d'Aubervilliers in Paris, wo zwei Projekte entstanden: „Ma première fois avec un dramaturge“ und „I heart Lygia Clark“. Diese Projekte sind performativ, fallen aber aus dem Standard von Tanz- und Theaterproduktionen raus.
2011 brachte Lacey die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Choreografen Wally Cardona und Jonathan Bepler, „Tool is Loot“ zur Uraufführung. Diese Gruppierung ist derzeit in ein vierjähriges und achtteiliges Projekt involviert, „The Set-Up“, das auf dem Zusammentreffen von internationalen Tanz-„Meistern“ basiert. Außerdem präsentiert Jennifer Lacey zurzeit „Culture Administration and Trembling“ eine Arbeit mit Antonija Livingstone, Steven Thompson und Dominique Petrin.

Obwohl ihre Arbeiten weit entfernt sind von traditionellen Tanzstücken, fühlt sich Jennifer Lacey dennoch als Tänzerin und versucht in ihren Werken eine Poesie jenseits des rein Konzeptuellen zu erschaffen.
Sie unterrichtete in den letzten 15 Jahren weltweit Technik, Improvisation, Komposition etc. in Institutionen, Studios und Festivals. Als Dozentin ist Jennifer Lacey von ihrem Studium der Release Technik bei der Pionierin Joan Skinner beeinflusst. In den letzten zehn Jahren weitete sich ihr Unterricht auf ihre künstlerische Praxis aus. Die Form ihres Workshop-Unterrichts ist performativ und produziert Inhalte, statt diese nur zu vermitteln. Daraus ergab sich, das Projekt TeachBack für Künstler_innen, die unterrichten, das sie beim ImPulsTanz Festival in Wien leitet und weiterentwickelt. Diese Projekt ist nun in seinem sechsten Jahr und fungiert heuer als danceWEB Scholarship Coach.

Jennifer erhielt 2014 einen Doris Duke Impact Award und 2015 ein Guggenheim Forschungsstipendium.
 
 

GOOD TO KNOW

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Date: 18.07.2018, 10:51 | Link: https://www.impulstanz.com/research/2018/id3718/