PROGRAMM
geboren 1958 in Antwerpen, ist Absolvent des Städtischen Instituts für Dekorative Kunst und der Königlichen Akademie der Bildenden Künste. Seit über 40 Jahren ist er als bildender Künstler, Theatermacher und Autor tätig.
BILDENDE KUNST
Beeinflusst von den Recherchen des Insektenforschers Jean-Henri Fabre (1823-1915), entwickelte er bereits sehr jung eine Faszination für die Welt der Insekten und anderer Kreaturen. Während seines Studiums in den späten 1970er Jahren erkundete er schließlich verschiedenste Möglichkeiten, seine Untersuchungen auf den menschlichen Körper auszuweiten.
So waren und sind seine Performances und Aktionen von 1976 bis heute essentiell für seine gesamte Entwicklung. Jan Fabres künstlerische Sprache involviert eine große Bandbreite an Materialien. Sie bewegt sich in einer eigenen Welt, die bevölkert ist von Körpern in der ganzen Spanne der Gegensätze, die das natürliche Sein bestimmen. „Metamorphose“ ist so einer der Schlüsselbegriffe für die Annäherung an Fabres gedankliche Welt, in der menschliches und tierisches Leben permanent interagieren. Er entfaltet dieses Universum in eigenen Texten als Autor wie in seinen nächtlichen Notizen, die
in den Bänden Night diary veröffentlicht wurden.
Fabre ist bekannt für
und durch seine Soloausstellungen wie "Homo Faber" (KMSKA, Antwerp, 2006), "Hortus / Corpus" (Kröller-Müller Museum, Otterlo, 2011) und "Stigmata. Actions and Performances, 1976–2013" (MAXXI, Rom, 2013; M HKA, Antwerpen, 2015; MAC, Lyon, 2016 und nun auch im Leopold Museum, Wien). Er war der erste lebende Künstler, der
im Pariser Louvre eine eigene umfangreiche Ausstellung gezeigt hat ("L’ange de la métamorphose, 2008"). Desgleichen hatte er eine bedeutende Ausstellung in der Sankt Petersburger Eremitage ("Knight of Despair / Warrior of Beauty, 2016-2017"). Im Beiprogramm der heurigen
57. Kunstbiennale di Venezia werden seine "Glass and Bone Sculptures 1977 – 2017" in
der Abtei von San Gregorio gezeigt.
Jan Fabres Arbeiten im Feld der bildenden Kunst werden von Angelos betreut.
THEATER
In den späten 1970er Jahren sorgte der junge Jan Fabre als Performancekünstler für Furore. 1982 schließlich schlug sein Stück "This is theatre like it was to be expected and foreseen" wie eine Bombe im damaligen Theaterestablishment ein. Die Bestätigung folgte zwei Jahre später mit "The power of theatrical madness", einem Auftragswerk für die Biennale von Venedig. Mit der Einführung des Konzepts der ‚real-time performance‘ brach Fabre mit den Konventionen des zeitgenössischen Theaters der frühen 1980er Jahre und widmete sich der Erprobung radikaler choreografischer Möglichkeiten zur Wiederbelebung klassischen Tanzes. Chaos und Disziplin, Wiederholung und Wahnsinn, Metamorphose und das Unbekannte sind unverzichtbare Zutaten in Fabres Theater. Neben zeitlos-alten Ritualen und philosophischen Fragen beschäftigt sich Fabre mit Themen wie Gewalt, Lust, Schönheit und Erotik. Der Körper in all seinen Ausprägungen ist seit Anfang der 1980er Jahre Gegenstand seiner Untersuchungen.
AUTOR
Jan Fabre schrieb seine Stücke immer für die Bühne. In den frühen 1970er Jahren ging es darum, seiner damals schon intensiven Fantasiewelt Gestalt zu verleihen. Diese Stücke kamen erst viele Jahre später an die Öffentlich
keit, als sie vom Autor selbst inszeniert wurden. Andere Theaterstücke entstanden im Probenprozess auf Grundlage von Improvisationen mit den Performer_innen. Heute werden die Theatertexte von Fabre weltweit inszeniert.
Jan Fabres literarisches
Werk illustriert zugleich sein Nachdenken über bildende Kunst und Theater: Über Theater als allumfassendes Kunstwerk, in dem das Wort neben den Parametern Tanz, Musik, Oper, Performance und Improvisation einen genauen funktionalen Ort einnimmt. Die Präzision, mit der Fabre das Medium Sprache benutzt, zwingt ihn dazu, Theater auf innovative Weise zu machen. Seine veröffentlichten "Night diaries" vereinen die unter- schiedlichen Bereiche seines künstlerischen Schaffens mit den persönlichen Gedanken schlafloser Nächte – und
hier entfaltet sich das ganze Fabre-Universum.
11.04.2017