Archive 2011
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WORKSHOPS
Übersicht aller Workshops
Zusatzworkshops
Workshop Levels
Workshopinfo .pdf
Stand: 26.05.2012
Änderungen vorbehalten
Workshops 2011
Isabel Lewis
Week2: 25. - 29. Juli
14:50 - 16:50Ballistic Body Adv
17:00 - 20:00Communal EPIC Fiction Adv

Communal EPIC Fiction
(Communal Experience in Performing Instantly Created Fiction)

Dieser Workshop bietet eine Beschäftigung mit der Unzufriedenheit darüber, was im Studio und auf der Bühne passiert. Aus meinen Erfahrungen als Performerin kenne ich das Gefühl, Zeit zu verlieren. Dass die Zeit während der Performance so schnell vergeht, dass ich das Ereignis eigentlich irgendwie verpasse.
Es gibt eine seltsame Distanz zwischen den Aktionen meines Körpers und meinen bewussten Gedankengängen. Das könnte im Kontext von Trance sehr interessant sein. Jedenfalls wird in diesem Workshop untersucht was es bedeutet, völlig bewusst im verschobenen Zustand der Performance zu bleiben. Kann man die Zeit der Performance für sich verlangsamen und diese Erfahrung in all ihrer körperlichen und fleischlichen Erscheinung auskosten?

Wir werden versuchen, dieser Frage nachzugehen und jeden Tag die Klasse behandeln, als wäre es eine Performance, von Beginn bis zum Schluss. Wir werden mit einer improvisierten Aktivierung von Körper und Geist beginnen und dann gemeinsam eine aus dem Nichts entstehende fiktive Performance machen. Die Betonung liegt auf der Aktion, dem Tun und Schaffen, auf Fantasie. Wir werden manchmal füreinander performen und uns dabei zuschauen. Wir werden großzügig und freundlich zu einander sein. Ich bitte darum in einem Notizbuch über jede der Klassen bzw. Performances zu reflektieren.





BALLISTIC BODY

Ein ballistischer Körper ist ein Körper, der frei ist, sich zu bewegen, zu tun und sich in Hinblick auf Erscheinung, Kontur und Oberfläche, aufgrund von Umgebung, Substanzen oder einwirkenden Kräften zu verändern.

In diesem Workshop wird eine neue Form des performativen Ausdrucks gesucht, die nicht eindeutig aus der Performancekunst, dem Theater oder zeitgenössischem Tanz stammt, jedoch Aspekte dieser Kunstformen streift. Ballistic Body ist eine Raumintervention mit Menschen und Ideen. Die Sinne sollen so geschult werden, dass der Körper in einer Performancesituation reaktionsfähiger wird. Ich werde so gut als möglich davon Abstand nehmen, bestimmte Ästhetiken oder körperliche Ideale einzuführen, und versuchen, jeder/m einzelnen TeilnehmerIn zu ermöglichen, ihre/seine Geschichte des Körpers und ihre Einflüsse hervorzuholen: seien sie kultureller, angelernter, verletzungsbedingter oder anderer Natur.

Der Körper ist das Zentrum dieser Arbeit und dient als Medium für den Zusammenprall und die Synthese von Ideen und Konzepten. Charaktere werden angedeutet, aber nicht voll ausgestaltet. Sie werden aus Kostümen und Sprach- und Bewegungsformen entwickelt, um eine gewisse fiktive Distanz zur eigentlichen Identität zu schaffen. Diese teilweise Charakterisierung ist eine Strategie, die ich anwende, um den Körper frei von starren Zuschreibungen wie Gender und Rasse zu nützen. Das ermöglicht eine Vertiefung in die Arbeitsinhalte, neue Ideenansätze und ein spielerisches Umgehen von Ironie und Zynismus.

Sprache wird hier nicht verwendet, um eine Geschichte zu transportieren oder einen Charakter darzustellen, sondern dafür, einem Gedankengang in Echtzeit eine Stimme zu geben. Außerdem kann Text ein Ereignis in den Raum einschreiben, Beziehungen zwischen Themen herstellen und das Fiktive mit dem angeblich Realem verflechten. Die Inhalte werden weit gehend aus verschiedensten Quellen aus dem Internet herangezogen (News, Popkultur, Kunst, das Alltägliche, etc.) und zu Collagen und neuen Ideeansätzen verarbeitet.



Isabel Lewis
Isabel Lewis wurde 1981 in Santo Domingo (Dominikanische Republik) geboren und wuchs in Venice (Florida, USA) auf. Sie studierte Tanz/Choreografie und Literaturwissenschaften an der Hollins University (USA) bevor sie 2004 die Labor Union mit Erika Hand in New York gründete. Isabel Lewis präsentierte ihre choreografischen Arbeiten in The Kitchen, Dance Theater Workshop, Danspace Project, and PS 122 um nur einige zu nennen, sowie in verschiedenen Underground Projektorten und Galerien in Brooklyn, Queens, und der Bronx (New York).

Sie war Artist in Residence bei Movement Research und erhielt eine Residency bei Fresh Tracks (2005/06), Unterstützung und Förderungen von Creative Capital, the Jerome Foundation, New Museum, Harlem Stage, MAP Fund, und dem Trust for Mutual Understanding.

Sie arbeitete als Redakteurin und Journalistin für das Movement Research Performance Journal und kuratierte 2004 „Improvisation is Hard“ am Movement Research, die Performance Serien Body Blend, am Dixon Place 2005-2008, „Reverence (Irreverence)“ (2007, Movement Research) und „Re-Imagining Utopia: Austrian/NYC Dialogue“ in Kooperation mit Movement Research, dem Österreichischen Forum (New York) und dem Tanzquartier Wien.

Als Performerin arbeitete Isabel Lewis mit Miguel Gutierrez, Ann Liv Young, Levi Gonzalez, David Neumann in New York City, sowie mit Jasna Layes-Vinovrski und Tino Sehgal in Berlin. Sie kreierte und performte in zwei Performancearbeiten und einem Film namens LEWIS FOREVER, eine Performance, die in Zusammenarbeit mit ihren Geschwistern Sarah Lewis, Ligia Manuela Lewis und George Lewis Jr entstand.

Charakteristisch für ihre Werke ist eine Kombination aus mehreren Aspekten ihres künstlerischen Wirkens: kuratorische Tätigkeiten, schreiben von Kritiken und theoretischen Texten, unterrichten und performen. Dies bietet ihr einen günstigen Ausgangspunkt für das Beobachten, Experimentieren und das Ausprobieren von Ideen. In der Ausübung dieser verschiedenen Rollen versucht Isabel Lewis die Dialektik von Theorie und Praxis, Künstler und Kritiker, Kunstschaffender und Performer, aufzuheben, um das Wissensgebiet um zeitgenössischen Tanz und Performance herum, zu erweitern.

Isabel Lewis lebt seit 2009 in Berlin. Sie schreibt für Berlin Art Link und betreibt ihre eigene Performance-Recherche. www.isabellewis.com
Photo: Isabel Lewis © Arturo Martinez Steele