The Poster Workshop
feat. Christoph Bruckner
Was passiert, wenn für die Durchführung einer Performance der dreidimensionale Raum wegfällt? Wie schreiben wir Choreografie und Performance in ein Blatt Papier ein? Was bedeutet diese Reduzierung, der Shift aufs Zweidimensionale? Die „Posterwerkstatt“ spielt eine Versuchsanordnung weiter, welche Anne Juren, Chris Standfest, Lisa Hinterreithner, Philipp Gehmacher und Amanda Piña in dem Projekt „Watch! The Poster Show.“ auf Einladung von Lisa Hinterreithner im Winter 2010/11 zum ersten Mal begeistert erprobten.
In der „Posterwerkstatt“ spielen wir diese gemeinsam und jede/r für sich durch, vom inhaltlichen Diskurs über die plakative Ideenformierung bis zur visuellen Umsetzung. Nach fünf Tagen hängen wir Performances, und dazu braucht es nur eine leere Wand, oder, wie Julius Deutschbauer sagt: „Vier Klebestreifen genügen zu ihrer Aufführung!“ (corpusweb.net 12.02.11).
Das „Performance Poster“ ist kein Medientransfer einer Live Performance, also kein dokumentarischer Akt. Ebenso wenig ist es „Werbung". Es ist eine Performance am Poster – für das Poster. Ein Tanzstück für ein Blatt Papier in A1 Format.
Willkommen sind absolut alle Mittel der Visualisierung der Flachkunst (Bild, Text, grafische Gestaltung), unter der Bedingung, dass die kreierte Performance druckbar sein muss.
Das Performance Plakat fragt nicht notwendig nach choreografischen oder tänzerischen Vorkenntnissen der TeilnehmerInnen. Wir alle choreografieren Poster. Wer dazu Computer, Videokamera oder digitale Fotokameras mitbringen kann, soll das bitte tun. Alles, was das Arbeiten erleichtert, ist willkommen! Christoph Bruckner, bildender Künstler, Chris Standfest und Lisa Hinterreithner, aus Performance, Choreografie und Dramaturgie kommend, initiieren als „WerkstattleiterInnen“ den künstlerischen Diskurs, sind MitdenkerInnen bei der persönlichen Posterentwicklung und UnterstützerInnen bei der grafischen Umsetzung.
„Das Theaterfoyer oder eine Bürowand oder eine Litfaßsäule....alles fantastische Performance Orte. Für eine Aufführung. Für ein Plakat. Für eine frisch gedruckte Posterperformance. Für ein ganz spezielles Publikum: Der Mensch vor dem Plakat als Performer/Mitwisser - als Alleinunterhalter mit einer imaginierten Performance im Kopf?“ (Lisa Hinterreithner)
„Aus einem Bedürfnis nach etwas „die-Zeiten-müssen-sich-ändern“-Mäßigen entstand ein Absender als Fake - das „Hidden Performer's Collective“. Eine Partie Imaginaire. Ein Poster als privatistisch formuliertes Manifest, mit der ganzen Liebe zum Öffentlichen.“ (Chris Standfest, 01.02.11, Salzburger Kunstverein)
Christoph Bruckner ist Schriftsteller, Kunsttheoretiker und bildender Künstler in Wien. Er studierte Publizistik, Kommunikationswissenschaften und Journalismus an der Europäischen Journalismus Akademie (EJA) der Donau-Universität Krems und an der Universität in Wien. Danach erhielt er seinen Abschluss an der Akademie der bildenden Künste in Wien für sein Kunststudium. Er veröffentlicht literarische und kunsttheoretische Texte in Literaturzeitschriften, Anthologien und Katalogen (u.a. Kunstraum Niederösterreich, Mumok, Secession, Grazer Kunstverein).
Lisa HinterreithnerLisa Hinterreithner ist freischaffende Künstlerin. Mit „Watch! The Poster Show“. gestaltete sie ein choreografisches Format für die Fläche (Präsentation Februar 2011, Salzburger Kunstverein). Die Performance „tree me tree“ ist in Zusammenarbeit mit Rotraud Kern und Nils Olger entstanden (Premiere Tanzquartier Wien 2010). 2009 kreierte sie das Solo „wieder 1“ und gestalte mit Nicole Haitzinger die Performance-Installation „Autobiographie – Zur Performance des Ichs“ (Premiere Sommerszene Salzburg 09).
In den letzten zwei Jahren hat sie unter anderen mit Paul Wenninger, Julius Deutschbauer und Martina Ruhsam als Performerin gearbeitet.
Sie leitete 2005 - 2008 den Bereich Training & Workshop am Tanzquartier Wien und ist seit 2009 sie Mitgestalterin der Plattform tanzbuero. Seit April 2010 ist sie an der Mitkonzeption von nadaLokal beteiligt. Sie unterrichtet temporär am Institut für Tanzwissenschaft in Salzburg.
Christine StandfestChristine Standfest wurde 1963 in Deutschland geboren und lebt zumeist in Wien. Sie studierte Germanistik, Erziehungswissenschaft und Philosophie in Regensburg, Berlin und Kulturwissenschaften und Gender Studies in Lancashire. Ihr Leben ist erfüllt von Politischem Aktivismus, Ausgehen, Übersetzungs- und Rundfunkarbeiten, Redaktions- und Vortragstätigkeit, Gastdozenturen (u.a. in Leipzig, Bochum und Wien) und ist als Performerin und Theoretikerin tätig. Sie arbeitete u.a. mit Barbara Kraus („fuck all that shit“, ImPulsTanz 2005) und Peter Stamer („sans papiers“, Tanzkongress Berlin) u.v.a. Seit 1997 arbeitet sie mit der internationalen Theaterformation theatercombinat und Claudia Bosse als Performerin und Konzeptmitarbeiterin, so bei den Produktionen: „Fatzer, Massakermykene, Sieben, Anatomie Sade/Wittgenstein, madcc psukb“ (Tanzquartier Wien), „Schlaf gegen Düsseldorf“ (Theater der Welt), „Mauser“ (Podgorica/Hamburg), „Firma Raumforschung“, „Où est donc le tableau“ und „Palais Donaustadt“. Sie wirkte bei „Tragödienproduzenten“ (2006-2009) mit für die sie auch die Recherche übernahm: „Grü500/Les Perses“ (Théâtre du Grütli, Genf); „Die Perser“ (Wien, Staatstheater Braunschweig, Festival Theaterformen); „Coriolan/turn terror into sport“ (Wien). Und zuletzt performte sie in den „Tragödienproduzenten-Reviews“: „bambiland's day“ (Forum Freies Theater, Düsseldorf) und „2481 desasterzone“ (Wien).
Photo: Lisa Hinterreithner & Christine Standfest © Roland Rauschmeier