Biology & Biography Open Level
Verbindung von Körper und Geist
Ich habe diese Trainingsmethode entwickelt, nachdem ich fast zehn Jahre meinen Körper fast täglich mit zynischer Verachtung schlecht behandelt habe, ihn als Instrument für Performance, Tanz und Schreiben benützt habe und dadurch unter Wirbelsäulenverletzungen litt.
Es geht mir darum, den Geist (Gedanke, Glaube, Wünsche, Vorstellungskraft und Wissen) mit dem Körper zu verbinden, und in unser Leben zu integireren.
Wie viel können wir manipulieren? Wann ist es an der Zeit unseren Körper und unser Bewegungsvokabular zu verändern? Wofür bereiten wir unseren Körper im täglichen Leben vor? Was brauchen wir, damit wir voll reaktionsfähig sind, spontan wie auch reflektierend?
Mein Unterricht basiert auf Körperarbeit: Übungen für die Wirbelsäule (Material for the Spine - Steve Paxton), Pilates, Iyengar und Vinyasa Yoga, Aikido und traditionelle chinesische Medizin. Mein Workshop, der sowohl Körper als auch Geist gleichermassen fordert und den Willen stärkt, direkt mit unserer Biographie und Biologie zu arbeiten - und zwar mit den Schwächen wie auch den Stärken. Der Workshop versteht sich als Gundlage für jedes Tanzvokabular.
Biology & Biography Advanced
unsere Geheimnisse, Widerstände und tägliches physisches „Mindtraining“
Was bedeutet es, sich präzise, konzentriert, zentriert, verbunden und absolut frei zu bewegen? Was bedeutet es, sich intelligent, voll bewusst und fähig zu sein, sich mit extremer Kraft zu bewegen? Ist es „Technik“? Ist das ein Ziel? Ist das authentisch? Ist das „zeitgenössisch“? Ist es „langweilig“ oder schlimmer noch, gar schädlich?
Ich denke nicht.
Ich denke, dass es im Tanz wichtig ist, ein regelmässiges Training zu machen, unabhängig von unseren jeweiligen künstlerischen Zielen. Ziel dieses Workshops ist Intention bewusst zu machen und Ideen und Impulse zu zu lassen, damit wir die Bewegung einfach und gut ausführen können.
Ich möchte ein tägliches physisches „Mindtraining“ anbieten, mit Pilates, Yoga, Wirbelsäulenübungen (Material for the Spine - Steve Paxton) und tiefgehender Gewebemassage. Dieser Teil ist ein rein technisches Warm-Up, das uns Präzision lehrt und uns auf muskuläre und tiefergreifende Arbeit vorbereitet. Wir werden Trainingsmethoden und kreative Recherche (Research) unter die Lupe nehmen und schauen, was Performance und Kraft für uns bedeuten.
Was brauchen wir als Performer? Wie gut sollten wir uns selbst, unsere Geheimnisse und Widerstände kennen, um gut zu performen zu können? Beeinträchtigt unser Bewusstsein unsere Kreativität? Und falls ja, inwiefern?
Vor allem als Solistin, ist die persönliche Biographie und Biologie, die Suche nach individuellem Bewegungsmaterial, besonders spannend für mich. In den zwei Jahren, die ich mit Steve Paxton gearbeitet habe, ist das Wichtigste, was ich gelernt habe, meine tägliche Trainingsmethode zu entwickeln. Technik ist nur nützlich, wenn man sie tatsächlich nützt. Disziplin ist eine Technik.
Das Vertrauen sich selbst gut zu kennen und mit diesem Wissen zu arbeiten, bedeutet anzuerkennen, dass diese einzigartige, eigene Sprache mehr ist, als einfach nur die naheliegenden Eigensinnigkeiten zu nützen. Präzision und Mut wurden zu einem Teil meiner täglichen Trainingsmethode. Es ist die Kombination von Körper, Geist, Vorstellung, Fakten und Fantasie, wo Kreativität und Ausdruckskraft in ihrer vollen Ausprägung gefunden werden können, und doch gibt es immer noch Nuancen von geheimnisvollen und witzigen Entdeckungen, die man machen kann.
Ami GarmonAmi Garmon (USA) lebt und arbeitet in Berlin und Frankreich.
Sie arbeitet mit bildenden und Tonkünstlern und macht Installationen mit Texten, Stimme und Tanz, die in höchstem Maße poetisch und eindringlich sind. Sie performt und improvisiert sowohl in eigenen Werken, wie auch in Stücken anderer.
Ihre Interessen liegen im Bereich der, sowohl realen, als auch der projezierten Emotionen und Nostalgien. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht Schreiben, Performance und präzise Bewegungsarbeit. Ihre letzte Arbeit
„Take me home with you“ entstand aus ihrem Bedürfnis heraus, ihre Arbeit für eine private Atmosphäre, für zu Hause in eigener Zeiteinteilung, zur Verfügung zu stellen, daher gibt es sie in dreifacher Ausführung: als Performance, als Buch und als Audio-Cd.
Ihre Werke sind Sammlungen von Ausdruck und Reflexion. Ihr letztes Solo
„Take me home with you“ wurde beim Festival Uzes (Frankreich) und bei der Tanznacht Berlin gezeigt. Sie war Mitglied des Improvisationsensembles von Jeremy Wade und Meg Stuart für das Politics of Ecstacy Festival im HAU (Berlin). Das Performatica Festival in Mexico lud sie ein dort zu performen und zu unterrichten. Ihr aktuelles Projekt
„Another Fucking Solo“ ist ein Duo mit Live-Musik und ist für den Winter 2010 geplant.
Photo: © Ami Garmon