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Workshops 2008
Georg Blaschke
Week1: 14. - 18. Juli
12:10 - 14:10Physical Theatre Training Adv

Physical Theatre Training
Experimentieren mit eigenen, expressiven Grenzerfahrungen

Wir beginnen das Training mit einem Warm-Up mit ritualisierten Bewegungselementen und gezielten Atem- und Energieübungen, die auch die Stimme miteinbeziehen werden. Die Haut wird gut durchblutet, um sich den verschiedensten Körperformationen leicht anzupassen. Ein bewusstes Wahrnehmen unserer Knochenstruktur und der inneren Organe unter dem Einfluss der Schwerkraft fördert differenzierte Beweglichkeit. Unsere persönlichen Konzepte von Zentrum, Raum und Präsenz als PerformerIn werden befragt und eventuell täglich neu definiert. In der Gruppe wird ein Energie-Pool entstehen, aus dem sich expressive Lust, gegenseitiges Vertrauen und transparente Präsenz speisen.

Wir spielen mit Gangarten (z.B. silly walks), Oberflächenvisualisierungen im Raum und auf der eigenen Haut, sowie imaginierten Landschaften, die individuelles Reisen im Körper und Improvisationen ermöglichen. Dabei stellen wir immer wieder die Frage nach der "Natürlichkeit" von Bewegung und führen diese im Annehmen unterschiedlicher Körper unter dem Einfluss physikalischer Kräfte eventuell auch wieder ad absurdum. Der Fokus liegt auch auf technischen, muskulären und formalen Prinzipien des Ausdrucks und dessen Differenziertheit. Bestimmte ritualisierte Tanz- und Bewegungsformen wie Drehen, Ondulationen und sich transformierende Prozesse im Gehen und in der Gruppe als Gesamtbewegung eröffnen Zugänge zu archetypischen Zuständen, die z.B. das Arbeiten an phylogenetisch-animalistischen Körperschichten, surrealen Körperzuständen - eventuell in Verbindung mit Objekten - und an strukturierten Massenbewegungen vorbereiten. Das Experimentieren mit eigenen, expressiven Grenzerfahrungen wird dem Lernen durch Beobachtung der Anderen gegenübergestellt. Außerdem soll mit der Gruppe - als ein sich immer wieder unter räumlichen und physikalischen Bedingungen neu organisierendes Gesamtsystem - gespielt werden. Kleine Evolutionen und Transformationen mit klar gesetzten Anfangs- und Endpunkten können schließlich individuelle Sequenzen entstehen lassen, die zu einer Gruppengeschichte verwoben werden.
Dieser Workshop richtet sich besonders an TänzerInnen, die das Spektrum ihres gewohnten Ausdrucks erweitern und ihr eigenes Lernkonzept befragen möchten, und lädt ein, auf neue Herausforderungen im Körpertraining einerseits und im kreativen Spiel der Vorstellungskraft andererseits einzugehen.




Georg Blaschke
Georg Blaschke lebt in Wien und arbeitet als freischaffender Tänzer, Trainer und Choreograf im In- und Ausland. Seinen Tätigkeiten als Tanzlektor, besonders in den Bereichen Contemporary Dance Technique und Movement Research, folgen Einladungen international renommierter Festivals, Hochschulen und Ausbildungsstätten. Als Performer und Produzent eigener choreografischer Arbeiten ist er seit Jahren in diversen Formaten erfolgreich tätig. Seine aktuellen Projekte erforschen räumliche Bedingungen von Repräsentation und Wahrnehmung und loten Möglichkeiten eines somatischen Zugangs zu choreografischem Verständnis aus. Die Feldenkrais-Methode beeinflusst seine Arbeit im Hinblick auf Bewegungsrecherche, Partnerarbeit und bezüglich Reflexionen zur Präsenz des Performers, entscheidend. Sein Interesse an Neubewertungen und Umdeutungen des sich artikulierenden Körpers führt ihn zunehmend zum Rekonstruktionsbegriff in der zeitgenössischen Choreografie.
Aktuelle Arbeiten:
„Jetzt bist Du dran.“ / choreografisches Rekonstruktionsprojekt, zugeeignet Andrei Jerschik / 2008
„körper. bauen. stellen.“ / 2008 - 2009
„in case of loss“ / Trio Performance / 2010
„Your Dancer.“ / ein somatisches Porträt von Liz King / 2010
„ensemble in gefahr!“ / ein Männerritual mit Robert Steijn / 2011
„Somatic Script“ / 2011
„On the Platform With My Father“ / 2012
www.georgblaschke.com
Photo: Georg Blaschke & Sascha Krausneker © Laurent Ziegler & Sascha Krausneker