Creation for Beginners
Die kreative Erfahrung ist ein einzigartiger Moment
Ziel dieses Workshops ist es, eine Choreografie zu komponieren und/oder eine Improvisation zu stimulieren, die zu organischem Bewegungsvokabular führt, das auf den Sinnen beruht und nicht auf dem Intellekt. Die künstlerische Dimension von Live-Performance wird Teil davon sein – eine Trennung vom Alltagsleben, um andere Erfahrungen, Gefühle, Geschmäcker und vor allem einen kritischen, kreativen Geist zum Erblühen zu bringen.
Wir erforschen die Entwicklung von Bewegungsmaterial durch Systeme von strukturierten Spielen. Wir setzen unsere Vorstellungskraft ein, um uns verschiedene körperliche Zustände entdecken zu lassen - die grundlegenden Materialien für Zeitgenössischen Tanz. Wir erforschen die vielfältigen Parameter, die ins Spiel kommen, wenn wir eine Choreografie konstruieren.
Um dies zu tun, suchen wir am Anfang des Workshops nach Wegen, die die Möglichkeiten des Körpers als Ganzes enthüllen und zwar durch Entspannung und Dehnung. In Übungen und strukturierten Spielen unterstützen wir sowohl Präzision und Qualität der Bewegung als auch die Wahrnehmung von sich selbst und von anderen.
Wir spielen auch mit den anderen Elementen, die mit Bewegung zusammenhängen, mit Zeit, Raum, Energie, mit dem Körper und seiner Beziehung zu anderen, zum Boden, zu einer Oberfläche, zu Klang usw. Der Workshop kulminiert in Kompositionen, individuellen und kollektiven Improvisationen, die diesen flüchtigen und einzigartigen Moment enthüllen und gleichzeitig Zeuge dessen sind: die Live-Performance.
Dieser Workshop ist stark von meiner Erfahrung und Arbeit als Künstlerin geprägt. Für mich ist es wichtig, die kreative Erfahrung als einzigartigen Moment zu zeigen, so wie wir ihn als Professionelle leben: mit wahrem Gewicht und mit Strenge, mit Begeisterung für Erfindung, Neuheit und füreinander.“
Rosas Repertory - Kinok
“Die Zahl ist das, was Handlung gebiert,
Maß ist das, was sie reguliert,
und Gewicht das, was sie kontrolliert.”
Louis Claude de Saint Martin in “The errors of truth”
Für “Kinok”, welches 1994 entstand, haben wir in Kooperation mit Thierry De Mey das russische Wort “Kinok” verwendet. Es kommt vom Kino und bedeutet “Blinzeln”. Es war die Basis für eine Musikkomposition und eine Choreografie, die in Bezug auf Zeit tief verbunden sind. Daher ist der Tanz sehr musikalisch, und Teil dessen, das Material zu lernen, ist Zählen. Dennoch betont mein Unterricht immer die Substanz der Bewegungsqualitäten. Wir werden uns der Choreografie spielerisch nähern und die verschiedenen Geschmäcker genießen, die in den Bewegungen geborgen sind.
Rosas Repertory – Desh
“Nicht ein einziges Mal, nicht einmal in Momenten tiefer Konzentration, sollten wir die Vorstellung von Freude fallen lassen.”
Wir lernen Ausschnitte der Trioversion von 2005. Ich war Teil des Enstehungsprozesses und werde deshalb darauf fokussieren, die TeilnehmerInnen die Quellen dieser Arbeit, die Inspirationsorte, aus denen sie kommen, spüren zu lassen. Das Vergnügen, Bewegung zu erfahren, seine emotionalen Texturen und all seine differenzierten Qualitäten von Volumen, Raum, Schwingungen und Explosionen, sind im Zentrum meines Unterrichts.
Marion BallesterMarion Ballester arbeitet seit ihrer Ausbildung am CNDC Angers (1987 bis 1989) als Choreografin, Performerin und Dozentin. Ihre Karriere begann 1989 mit Engagements bei Dominique Petit, Phillipe Decouflé und später bei Rosas. 1992 ging sie nach New York um ihre Ausbildung in den Trisha Brown Studios fortzusetzten. Danach begann sie selbst zu choreografieren, gründete ihre eignene Compagnieund kreierte: „Blue Mathematics“, „Unconscious Landscape“ (2000) ein Tanz/Skulptur/Video Projekt für vier TänzerInnen inspiriert von der Arbeit Louise Bourgeois’, „Intimez-moi“ (2001); „Bord à Bord“ (2002); und schließlich „Neptune“ (2004) für das Festival des Antipodes in Brest, eine Performance für fünf TänzerInnen zu Musik von Philippe Manoury.
2002 war sie Assistentin von Anne Teresa de Keersmaeker für „Once“ und tanzte im Trio „Desh“ mit Salva Sanchis und Anne Teresa de Keersmaeker.
Zwischen 2007 und 2009 arbeitete sie an dem Triptychon: „Trois solis pour Marion“ in Zusammenarbeit mit Benoît Lachambre, Osman Kassen Khelili und Odile Duboc.
2010/2011 wurde sie von Raimund Hoghe für „Si je meurs, laissez le balcon ouvert“ engagiert.
Marion Ballester unterrichtet an verschiedensten Ausbildungsstätten und für Tanzcompagnien: CND-Paris, P.A.R.T.S., Angelin Preljocaj, Philippe Découflé und Jean-Claude Gallota.
Photo: Marion Ballester © David Bergé