Sinister Intimate
unheimlich, aber vertraulich
In diesem Workshop wird das Unheimliche entdeckt, wobei nicht die offensichtliche Bedeutung des Wortes „unheimlich“ - nämlich die Assoziation mit dem Bösen - gemeint ist, sondern die TeilnehmerInnen werden aufgefordert, sich einer anderen Bedeutung von „unheimlich“ zu widmen. Die „linke Seite“, welche auch als vernachlässigte Seite gilt, wird das Thema sein, wobei auch hier nicht auf die ursprüngliche körperliche Seite Bezug genommen werden darf. Als „unheimlich“ gilt daher Gewohnheitsmäßiges, weniger Gewandtes, Ungeschicktes, Verstecktes und damit weniger Kontrolliertes.
„Wir werden unsere wertvollen, gewohnten Impulse identifizieren, sowohl körperlich, als auch ästhetisch, um versteckte und unbestimmte Seiten lokalisieren zu können und so eine ergänzendende Balance entwickeln.“
Die physische Erforschung der „anderen“ Seite erfordert zu Beginn ein Umstülpen und Destabilisieren der bisher bequemen Koordination und Tanzbestrebungen.
Das Erschaffen einer fremdartigen Lage und eines besonderen Blickwinkels soll weiter einem Improvisieren, Lenken, Imaginieren und Kreieren von Form dienen.
Das besonders Interessante an „Sinister“ ist, dass es, wenn auch unheimlich und unbekannt, trotzdem ein Teil von einem selbst ist.
In diesem Workshop wird es daher nicht um die Erlangung eines Endziels gehen, sondern vielmehr um die Nebenprodukte während des Prozesses.
Die geplante Struktur des Workshops mag sich möglicherweise auch öffnen, um Platz für Unerwartetes zu machen.
Alle diese Bestrebungen werden vermutlich zu Diskussionen (nicht unbedingt verbalen) über die logischen Schlussfolgerungen von „links“ führen und was entdeckt wurde.
Jennifer LaceyJennifer Lacey ist Choreografin und Tänzerin aus New York, die zur Zeit in Paris lebt. Ihre Erfahrungen in New York sind weit gefächert, von fünf Jahren bei der Randy Warshaw Dance Company, bis zu eher experimentellen Arbeiten mit Yvonne Meier und Jennifer Monson. Seit 1991 präsentiert sie ihre eigenen Arbeiten u.a. bei P.S. 122, The Kitchen, beim Klapstuk Festival, bei den Wiener Festwochen, ImPulsTanz, Tate Britian Danças na Cidade, der Bienale von Lyon, Montpellier Danse, Big Torino, Tanzquartier Wien, Centre Pompidou, Kyoto Arts Center und dem Kaiitheater.
Seit ihrer Niederlassung in Frankreich im Jahre 2000 geht sie der theoretischen Frage nach, wie Tanzproduktion enstehen bzw. wie Inhalt und Form im Tanz zusammenhängen.
Während der letzten zehn Jahre hat Jennifer Lacey oft mit der bildenden Künstlerin Nadia Lauro in gemeinsamen Installationen und Performances zusammengearbeitet. Ihre letzte Produktion „Les Assistantes“ ist derzeit auf Tournee. Zur zeit arbeitet sie mit Antonija Livingstone an einem neuen Stück für das Festival in Avignon. Obwohl ihre Arbeiten weit entfert sind von traditionellen Tanzstücken, fühlt sich Jennifer Lacey dennoch als Tänzerin und versucht ihren Werken eine Poesie jenseits des rein Konzeptuellen zu erschaffen.
Sie unterrichtete weltweit in den letzten 15 Jahren u.a. Technikklassen Improvisation, Komposition bei Institutionen, Festivals und Studios. Ihr Unterricht ist stark beeinflusst von der Release Technik der Pionierin Joan Skinner und ihrem Interesse an Yoga und Qi Gong und konzentriert sich auf die Form, die durch Wahrnehmung und Bewegung zu stande kommen, sowie auf den Zusammenhang zwischen Prozess und Produkt. Zur Zeit betreut sie das Essaies-Programm am Centre National de la Dance in Angers.
Photo: Jennifer Lacey © Laurent Ziegler