Liquid Loft - Posing Project B
Liquid Loft / Chris Haring (A)
Posing Project B / The Art of Seduction
Tanz/Choreografie: Luke Baio, Stephanie Cumming, Alexander Gottfarb,
Katharina Meves, Anna Maria Nowak
Choreografie und künstlerische Leitung: Chris Haring
Komposition und Sound: Glim (Andreas Berger)
Dramaturgie und Licht: Thomas Jelinek
Theorie: Katherina Zakravsky
Bühnenset und künstlerische Begleitung: Aldo Giannotti
Inhaltliche Begleitung: Roderich Madl
Film und Foto: Michael Loizenbauer
Produktion: Marlies Pucher
Koproduktion von liquid.loft mit Tanzquartier Wien unterstützt von IDEE ,
ImPulsTanz Wien und La Biennale di Venezia.
Dank an TanzIst Festival/Dornbirn
Mit Unterstützung der Stadt Wien/MA 7 und dem bm:ukk.
Dauer: je ca. 60 Min.
Posing Project
Die Posing Project-Serie besteht aus mehreren Arbeiten, die sich mit der Kunst der innovativen Selbstdarstellung und den direkten Auswirkungen auf willige RezipientInnen auseinandersetzen. Im Mittelpunkt stehen eindrucksvolle Stereotypen bzw. Archetypen, die für sich werben, um zur Faszination zu verleiten.
Die Pose ist der Gipfel der Eigenbewegung, der Punkt, an dem der Körper für andere zum Bild wird und sich so zu erkennen gibt. Zugleich ist die Pose ein Überzug der Norm, der den Körper von außen überfällt und zurichtet wie eine Zwangsjacke. Da, wo das bewegte Wesen bei sich ankommt und innehält, weil es in sich ruht, löst sich schon das Bild von seinem Körper, verlässt das Wesen in all seiner Eigenheit und gibt es dem Blick der Anderen preis. Wo Selbstgenügsamkeit in Eitelkeit fließend übergeht, liegt das Reich der Pose.
Posing ist ein Projekt über die Grundmuster der Kommunikation. Die Pose ist Kommunikationsmittel und Ausdruck einer Haltung. Kommunikation fungiert als Muster von Posen, die im sozialen Kontext komplexe Bedeutungsmuster transportieren.
Posing Project B
The Art of Seduction
The Art of Seduction wurde für die Biennale di Venezia 2007 (Göldener Löwe für die beste Performance) zum Thema "Body und Eros" erarbeitet und versteht sich als Synthese von Tanz und Installation, die das Verführungsspiel zwischen PerformerInnen und Publikum umkreist. Die Pose ist hier jener zitternde Moment, wo ein Körper innehält, scheinbar in sich ruht, während sich schon sein Bild von ihm löst und als Stereotyp im Auge des Betrachters endet.
Das Spiel der Verführung ist komplex: Man muss den Anderen glauben machen, dass man das hat, was er will, ohne dabei den Verdacht zu wecken, dass man nur aus persönlichen Motiven bereit ist, es herzugeben. Vielleicht muss man aber auch nur so tun, als wäre man das begehrenswerteste Objekt, das keiner kriegen kann. Verführung will eine Verbindung herbeiführen mittels gegenseitiger Irreführung. Und das geht nicht ohne die Intervention einer dritten Partei – dem Pfeil des Eros.
Der Pfeil ist dieser Sog, dieser Strahl des Fleisches – der Sog ins Unendliche. Dieser Sog wird nur erträglich durch die Falten der Künstlichkeit, die Gesten der Verführung, die Kaprizen eines unhaltbaren Versprechens, die den Sog in sich umlenken, ohne ihm Einhalt gebieten zu können. Dieser Sog des Eros ist wie ein Striptease, bei dem alle Gesten der Enthüllung immer neue Schichten an Kleidern zu Tage fördern. Aber der Pfeil wird immer schon abgelenkt – durch den Gesang der Sirenen, das Wühlen in der Wäschekammer, den Aufstand obszöner Schatten und die Melancholie im September.
(Text: Katherina Zakravsky)