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Liquid Loft - "Sacre - The Rite Thing"
Preis: € 18,-
ProduktNr.:12DV-001
Liquid Loft - "Sacre - The Rite Thing"
Eine Koproduktion von Les Ballets de Montecarlo, ImPulsTanz Vienna International Festival und Liquid Loft.

Künstlerische Leitung, Choreographie: Chris Haring
Choreographische Assistenz: Stephanie Cumming
Tanz, Choreographie: April Ball, Gioia Masala, Quinn Pendleton, Olivier Lucea, Gaetan Morlotti, Chris Roelandt, Giovanni Mongelli
Sound, Komposition: Andreas Berger (Glim)
Licht, Set Design: Thomas Jelinek
Kostüme: Liquid Loft, Dancers & Jean-Michel Lainé
Produktion: Marlies Pucher
Text, Theorie: Nicole Haitzinger, Fritz Ostermayer
Übersetzungen: Martina Hochmuth, Oliver Stummer
Video: Ella Esque, Michael Loizenbauer

Basierend auf originalen choreographischen Sequenzen von Vaslav Nijinsky rekonstruiert von Millicent Hodson und Kenneth Archer

Première am 13. Juli 2010, Salle Garnier, Montecarlo Oper
Österreichpremière 19. Juli 2010, Odeon, ImPulsTanz Vienna Int. Festival

Seit fast einem Jahrhundert wird auf internationalen Tanzbühnen immer wieder jenes Ritual vollzogen, das unweigerlich in den Tod führt und trotzdem von jedem/er Solisten/in getanzt werden will. Der Preis ist hoch, denn der oder die Auserwählte wird dabei geopfert bzw opfert sich selbst, um einen fruchtbaren Frühling einzuleiten.

In The Rite Thing wird das Ritual nach Warhol'scher Manier entzaubert, indem es das Verzaubernde auf unterschiedliche Weise mimetisch wiederholt.
Basierend auf dem reproduzierten choreografischen Originalmaterial von Le Sacre du Printemps und der persönlichen Geschichte Nijinskys inszeniert Liquid Loft mit Tänzern des Balletts de Monte Carlo beeindruckende Ready Mades, die als Speicher vergangener choreografischer Intentionen im veränderten Kontext wiederentdeckt und in zeitgenössische Strukturen verwoben werden. Der Tanz als Imitation des Wandels, das Opfer als Instrument der Angleichung durch Vergeltung am Unschuldigen, das sind die archaischen Mittel mimetischer Praxis in dieser Inszenierung.

Die aktuellen Positionen im zeitgenössischen Tanz sind, was ihre Bewegungssprache und ihre Arbeitsweisen betrifft, vom Ballett weiter entfernt denn je. Formulierten sich ästhetische Konzepte in der Moderne noch in Opposition und Abgrenzung zu einer jeweiligen Tradition, ist das Ballett dem zeitgenössischen Tanz als willkommener Gegner für den eigenen Distinktionsgewinn schlicht verloren gegangen. Als historisches Material sind die Formen des Balletts um so mehr von Interesse. Liquid Loft versucht diese mittlerweile fremde Tanz-Sprache mit dem heutigen Wissen, der Bewegungserfahrung und dem Formenvorrat des zeitgenössischen Tanzes neu zu lesen und zu analysieren.

Hundert Jahre nach der Gründung von Les Ballets Russes durch Sergei Pawlowitsch Djagilew (1872-1929) kooperiert Liquid Loft mit Les Ballets de Monte Carlo, einem Ort, der Djagliews Compagnie zeitweilig beherbergt hat und an dem bedeutende Choreografen, die aus Les Ballets Russes hervorgegangen sind, dessen Tradition über das 20. Jahrhundert hinweg weitergeführt haben. Von besonderem Interesse für Liquid Loft ist die starke Affinität des Ballets Russes zu zeitgenössischen Positionen in der Bildenden Kunst, die den Tanz ins Zentrum moderner Kunstentwicklung geführt hat, ja zu einem Motor der moderne überhaupt gemacht hat. Djagliew hat durch die Zusammenarbeit mit prägenden Bildenden Künstler Tanz und Tänzer in immer wieder neuen und ungewöhnlichen visuellen Kontexten aufscheinen lassen.

Diese historische Wirkung nährt das Interesse an Les Ballets Russes und erweist sich als affin zur bisherigen Arbeitsweise von Liquid Loft. Durch akustische Dislozierung wird bei dieser Zusammenarbeit der Blickwinkel auf angewandte Formen des zeitgenössischen Balletts verändert. Elemente originaler Bewegungssequenzen Nijinsys werden im veränderten Kontext wieder neu und auf ungewöhnliche Weise erfahrbar.