Jirí Kylián & Megumi Nakamura (NL/JP)
"Blackbird"
Gefangen! Die Tänzerin ist mit Armen, Kopf und Schultern in einen elastischen Schlauch verstrickt, der nach oben hin ins Unbekannte reicht. Von dort tönt auch eine Stimme her. Ein großer Manipulator ist da am Werk, bis ein schwarz berockter Dämon den Schlauch durchschneidet. Endlich geboren!
Der Meisterchoreograf Jirí Kylián hat die Bewegungskomposition in seinem neuen Stück "Blackbird" ganz auf die flexible und charismatische Tänzerin Megumi Nakamura zugeschnitten. Die kunstvolle, warme Beleuchtung wird zuweilen von kaltblauen Scheinwerferstraßen und einmal von einem furiosen Lichtzerhacker abgelöst. Der Dämon hat die Frau nicht nur auf die Welt gebracht, er verfolgt sie auch, kämpft mit ihr, piesackt sie mit seinem spitzen Schwert. Aber es gibt noch eine andere Wirklichkeit in ihrem Leben, die Kylián durch Videoprojektionen sichtbar macht.
Nakamuras ausdrucksstarke Mimik spricht in rasch aufeinanderfolgenden Stills Bände, wie auch ihr Liebesduett mit einem virtuellen Mann und ihr weiches Sehnsuchtssolo. "Blackbird" gleitet nie ins Melancholische ab, immer wieder bricht sich die der Tänzerin eigene Komik ihre Bahn. Megumi Nakamura rollt ein ganzes Leben auf: von der Geburt bis zum Alter, und in all den Transformationen des Lebens bleibt sie – mit Kyliáns Hilfe – glaubwürdig.
Der langjährige Mentor des «Nederlands Dans Theater» (NDT) hat mit «Blackbird» ein besonderes, reifes Werk geschaffen, das das Video stimmig integriert und in eine Geschichte tänzerisch und mit entspannter Frische erzählt.