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Zeitgenössischer Tanz benötigt zeitgenössische Ausbildung.
Anfang des Jahres blickten wir interessiert zu unserem Nachbarn Deutschland hinüber, als die hiesige Kulturstiftung einen euphorischen Plan verkündete, der großes Presseecho erzeugte. Schließlich ging es um den
Tanzplan Deutschland. Man will in Sachen Tanz wieder ernstgenommen werden, und zu diesem Zweck stehen in den nächsten fünf Jahren bundesweit diverse Projekte auf dem Plan. Dem Tanzplan.
So soll mit dem
Hochschulübergreifenden Zentrum für Tanz in Berlin erstmals eine zeitgenössische Ausbildungsstätte für Tanz und Choreografie entstehen, wo in Form eines Pilotprojekts erste Studiengänge auf Bachelor und Master Niveau für Tanz, Choreografie und Pädagogik erarbeitet werden sollen. Und dies „jenseits beschränkender, eindimensionaler Schul- und Sachzwänge“, so heißt es.
Eine zwangsfreie Ausbildungsmöglichkeit, finden wir gut. Bleibt abzuwarten, ob dieses Zentrum für zeitgenössischen Tanz der gesamten Tanzlandschaft Berlins offen gegenübersteht und nicht nur etablierten Kompanien und Produzenten als Brutstätte junger Talente dient. Was wiederum weniger gut wäre. Gegen so eine Form der tänzerischen Edukation wetterte auch vor gut zwei Jahren der renommierte Choreograf Boris Charmatz und rief das Projekt BOCAL auf den Plan.
Das von Boris Charmatz initiierte und von
ImPulsTanz und CND geförderte Ausbildunsgprojekt BOCAL war das Gegenteil des konventionellen konservativen Unterrichts an klassischen Tanz-Schulen. Zeitgenössische Kunstpraxis, diskursives Lernen und ein eigenständiges, künstlerisch-tänzerisches Selbstverständnis sollten hier miteinander verschmelzen. Charmatz wollte mit BOCAL nicht nur gute TänzerInnen, sondern auch mündige und kritische Künstler hervorbringen. Eine alternative Ausbildungsmethode also, die ihren Fokus statt auf Technik und Virtuosität, auf Kreativität und mentale Freiheit setzte (Mehr Info unter:
Boris Charmatz in dialogue with Jeroen Peeters on Bocal).
Um diese Attribute geht es auch dem experimentellen Theatermacher und Performer Jan Ritsema, der gemeinsam mit der Dramaturgin Bojana Cvejiic im Dezember 2005 das Projekt
PAF (PerformingArtsForum) ins Leben gerufen hat. Dazu erwarb Ritsema im französischen Reims ein ehemaliges Konvent und gründete einen Ort, an dem sowohl TheoretikerInnen als auch PraktikerInnen abseits konventioneller Schemata ihre persönlichen Arbeitskonditionen analysieren und selbst bestimmen können und die Möglichkeit erhalten, ihr Potenzial auf dem Gebiet der darstellenden Künste jenseits kapitalistischer Arbeitspraktiken zu entwickeln.
Es tut sich also was, in Sachen Ausbildung im zeitgenössischen Tanz.
Das finden wir gut.
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Videos.
© Jean Luc Moulene