Terpsichores fliegender Teppich
Terpsichore wirbelt. Und mit ihr wirbeln unzählige Tanzinteressierte durch die Herbstfestivals.
Angesichts der Angebotspalette kommt der Wunsch auf, der Muse des Tanzes statt Lyra und Plektron einen fliegenden Teppich zuzuordnen und mit ihr durch die Lande zu tingeln.
Erste Station Braunschweig:
Nik Haffner lädt beim dort beheimateten Festival
TANZtheater International zum Experimentieren ein, während
André Gingras das Publikum auf Wanderschaft schickt.
Till Eulenspiegel -als gebürtiger Braunschweiger- hätte seine wahre Freude daran!
Zeitgleich hätten wir bei
Vooruit das Vergnügen,
Erna Òmarsdottir und den anarchischen
PONI‘S Zugang zu unseren Gehörgängen zu gewähren und Augenzeugen orgiastischer Dekonstruktionen zu werden. Auch im Mousonturm wird dieser Wirbelsturm Einzug halten.
Weiter geht‘s nach Lausanne.
Phillip Saire choreografierte für das Dance Theatre of Ireland,
lonesome cowboy wird im Rahmen des
Festival International de Danse de Lausanne zu sehen sein. Dort treffen wir auch alte Bekannte wie
Anne Teresa De Keersmaeker und
Maria-Clara Villa-Lobos, Perceuse Productions haben die carte blanche und man darf gespannt sein.
Und schon geht‘s wieder zurück nach Deutschland, wo sich
Pina Bausch auf 3 Wochen voller spannender und ergreifender Begegnungen freut. Wir freuen uns auf zahlreiche Stücke des Wuppertaler Tanztheaters ebenso wie auf
Brice Leroux, Sidi Larbi Cherkaoui, Josef Nadj und all die vielen anderen, die unsere Gehirnwindungen zum Rotieren bringen..
Bezüglich tanzpolitischer Strukturen lohnt es sich in Zukunft übrigens,
Hortensia Völkers neuen
Tanzplan Deutschland zu beobachten, wir halten Euch auf dem Laufenden bzw. Fliegenden.
Womit wir im fliegenden Wechsel zum
Festival d‘ Automne kommen, Paris öffnet seine Pforten für ein Ereignis, das seinesgleichen sucht. Wo fange ich an? Was den Tanz betrifft, reicht das schillernde Spektrum von
Anne Halprin, der Pionierin des post-modern dance und
Mathilde Monnier bis
Alain Buffard, auch
Jérôme Bel lässt die Show weitergehen.
Bereits bei den Wiener Festwochen 04 zu Gast, überflutet
DJ Spooky mit
Rebirth of a Nation die Augen und Ohren seines Publikums mit Eindrücken.
Nan Goldin bezieht die Chapelle Saint-Louis, wir denken zurück an ihren Abstecher in der Kunsthalle Wien und wollen mehr. Auch wenn‘s schmerzt.
Besondere Erwähnung verdient auch das Atelier
Michel Foucault, das mit philosophischem Input der anderen Art aufwartet.
Apropos Input:
Das
Deutsche Tanzarchiv Köln bietet im Herbst gleich drei Ausstellungen die sich rund um den Tanz bewegen. Die Rekonstruktion des Körpers auf der Basis von Fotografie, der Diskurs über die Rezeption von festgehaltener Bewegung und die filmische Reflexion über Tanz stehen dabei im Mittelpunkt.
Im Zentrum des österreichischen
Festivals Zeitgenössischer Tanz Oktober stehen die internationalen Entwicklungen im - natürlich - zeitgenössischen Tanz und Dornbirn kann sich nicht nur auf
Fremdkörper gefasst machen.
In Wien wird zur Eröffnung des
Theaterhauses für Kinder das belgische Kollektiv
Victoria mit „White Star“ zu sehen sein. Menschen, die gerne jemand anderes sein möchten (darum geht‘s im Stück), im richtigen Leben mag das Theaterhaus in Zukunft der
Dschungel Wien sein.
Und wir wären gerne mal wieder Kinder - bei so einem Angebot...
Allen jenen, deren Bewegungsdrang nach wie vor ungebrochen ist, seien an dieser Stelle einige Workshops ans Herz gelegt, für die es sich lohnt weiter auf Terpsichores Teppich zu fliegen.
Wer Portugal und
Meg Stuart unter einen Hut bringen möchte, hat von 13. - 17. September in Lissabon beim
Forum Danca dazu die Möglichkeit.
Alexander Petlura, Kollektor von wundersamen Dingen, sucht für seinen Workshop bei
la bâtie in Genève 12 Tänzer, deren Alter, Größe, Gewicht und Geschlecht völlig unwichtig sind und die mit ihm „Observing Observers“ auf die Bühne bringen sollen - Farbexplosionen inbegriffen!
Für alle diejenigen, die schon immer einmal ihre Fingerabdrücke abgeben wollten und noch keine Möglichkeit dazu hatten, könnten das Nützliche mit dem noch Schöneren verbinden und einem
Movement Research Workshop in New York die Ehre geben:
Janis Brenner, Katie Duck, DD Dorvillier Andrew Harwood und Chris Aiken geben sich die Klinke in die Hand und auch die Dozenten der ongoing classes sind eine Reise wert:
K.J. Holmes, Barbara Mahler, Ori Flomin...
Viel Vergnügen beim Fliegen, Schauen und Tun!