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Ungeahnte Macht der ImPulsTanz-Plakate: Interview mit G. Harangozó im Kurier vom 20. 9. 2006
Auszug aus dem Artikel: "Eher nach niederschwelliger Ambition kling Harangozós Einschätzung seiner eigenen Ballettschule. Das ordentlich gelehrt werde, ist am wichtigsten, auch wenn die jugendliche Physis nicht so gut geeignet ist. Die Nackt-Plakate des vergangenen ImPulsTanz-Festivals wiederum hätten Eltern abgeschreckt, ihre Kids in die Ballettschule zu schicken."

ImPulsTanz-Leserbrief vom 22. 9. 2006 (unveröffentlicht):

Mit Befremden lasen wir in dem Interview mit Gyula Harangozó vom 20. 9. 2006 folgende Aussage: „Die Nackt-Plakate des vergangenen ImPulsTanz-Festivals wiederum hätten Eltern abgeschreckt, ihre Kids in die Ballettschule zu schicken.“

Dazu ein paar Anmerkungen:

1. Unserer Erfahrung nach, und das sind doch zumindest mehr als 20 Jahre in Sachen Tanzpädagogik, ist die Entscheidung für das Tanzen eine, die die Kinder selber treffen sollten, und nicht ehrgeizige Eltern.

2. Gemeinsam sollten Eltern und Kinder dann eine Schule bzw. Ausbildung aussuchen und dabei gut überlegen und abwägen, denn es handelt sich um eine wichtige Entscheidung, die ein ganzes Leben prägen kann. Ganz sicher nicht sollte man diese Frage von den Sujets der Werbeplakate eines Tanzfestivals abhängig machen, allerdings glauben wir ohnehin, dass auf diese Idee kaum jemand kommt.

3. Was wir uns wünschen würden und was auch in dieser Hinsicht wichtig wäre: Die Möglichkeit der Wahl zwischen verschiedensten, qualitativ hochwertigen Tanzausbildungsmodellen in Österreich, ein ernsthafter Austausch und Diskurs über Ansätze, Erfahrungen, Methoden und Ästhetiken - sowohl im Zeitgenössischen als auch Klassischen Tanz anstatt abwegiger, nicht nachvollziehbarer Behauptungen. Unsere Plakatmotive mögen mitunter anecken und nicht jedermanns und -fraus Geschmack entsprechen, wir glauben aber, dass sie mit der Entscheidung mancher Eltern, ihre Kinder nicht in die Staatsopernballettschule zu schicken herzlich wenig zu tun haben. Herrn Harangozós Aussage ist schlichtweg absurd. Besonders vor dem Hintergrund der Tatsache, dass unsere gemeinsam mit dem Theaterhaus Dschungel Wien durchgeführten Tanzworkshops und Aufführungen für Kinder diesen Sommer stets ausverkauft waren und Zusatzkurse erforderlich waren.

4. Für produktive, fundierte Kritik zu unserem Festival, unserer Programmation der Stücke und Workshops sind wir immer offen, auch über gewählte Plakatsujets diskutieren wir oft. Denn für uns ist Selbstreflexion und Auseinandersetzung mit Kritik ein von uns sehr geschätzter, selbstverständlicher Teil unserer Arbeit. Auch wenn das nicht im Plansoll steht.

Karl Regensburger, Ismael Ivo, Christa Spatt, Rio Rutzinger
ImPulsTanz - Vienna International Dance Festival