Physical Theatre Training
Experimentieren mit eigenen, expressiven Grenzerfahrungen
Teil des Warm-Ups sind ritualisierte Bewegungselemente, sowie gezielte Übungen für Atem und Energie, auch Stimme. Die Haut wird gut durchblutet sein und sich deshalb den verschiedensten Körperformationen leicht anpassen. Ein bewusstes Wahrnehmen unserer Knochenstruktur und der inneren Organe unter dem Einfluss der Schwerkraft fördert differenzierte Beweglichkeit. Unsere persönlichen Konzepte von Zentrum, Raum und Präsenz als PerformerIn werden untersucht und neu definiert. In der Gruppe wird sich ein Energie-Pool bilden, für expressive Lust, gegenseitiges Vertrauen und transparente Präsenz.
Wir spielen mit verschiedensten Gangarten (z.B. silly walks), Visualisierungen im Raum und auf unserer Haut, sowie imaginierten Landschaften, die individuelles Reisen im Körper und Improvisationen ermöglichen. Dabei stellen wir immer wieder die Frage nach der „Natürlichkeit" von Bewegung und führen diese im Annehmen unterschiedlichster Körper unter dem Einfluss verschiedenster physikalischer Kräfte, auch wieder ad absurdum. Der Fokus liegt auch auf technischen, muskulären und formalen Prinzipien des Ausdrucks und dessen Differenziertheit. Bestimmte ritualisierte Tanz- und Bewegungsformen wie Drehen, Wellenbewegungen und sich transformierende Gangarten, sowie Gruppenbewegung, eröffnen Zugänge zu archetypischen Zuständen, als Weg zu phylogenetisch-animalistischen Körperschichten, surrealen Körperzuständen - eventuell in Verbindung mit Objekten - und zu strukturierten Massenbewegungen. Das Experimentieren mit eigenen, expressiven Grenzerfahrungen wird dem Lernen durch Beobachtung der Anderen gegenübergestellt. Ausserdem werden wir die Gruppe als ein sich immer wieder unter räumlichen und physikalischen Bedingungen neu organisierendes Gesamtsystem erfahren. Kleine Bewegungsentwicklungen und -transformationen mit klaren Anfangs- und Endpunkten werden zu individuellen Sequenzen, die als Abschluss des Workshops zu einer Gruppengeschichte verwoben werden.
Dieser Workshop richtet sich besonders an TänzerInnen, die das Spektrum ihres gewohnten Ausdrucks erweitern und ihr eigenes Lernkonzept hinterfragen möchten und lädt zu neuen Herausforderungen im Körpertraining ein, sowie zu Kreativität im Umgang mit unserer Vorstellungskraft.
Trainings-Lab Feldenkrais | Contemporary
Das tägliche Training wird mit einer ca. 60 minütigen ATM (Feldenkrais Awareness Through Movement - lesson) beginnen. Jeder Tag wird eine ATM mit einem anderen funktionalen Thema beinhalten (z.B. Extension, Rotation, Flexion etc.), die zu gesteigerter Differenzierung sowohl des Bewegungsapparates als auch der Wahrnehmung führt.
Feldenkrais ist eine höchst effektive und tiefgehende Methode, die das Erforschen von mühelosen Bewegungen in einem spannenden und entspannenden Lernprozess ermöglicht.
Mögliche Effekte einer ATM können sein: verbesserte Balance und Haltung, leichtere Atmung, geklärte Beziehung von Muskeln und Knochen zur Schwerkraft und zum Boden, differenziertere Selbstorganisation, gesteigerte Präsenz im eigenen Körper und im Raum.
Im zweiten Teil des Trainings werden in teils improvisierter Movement-Research, teils in strukturierter Form die funktionalen Themen der Feldenkrais-Stunde in Verbindung mit einer zeitgenössischen Tanztechnik erforscht.
Im Mittelpunkt stehen das Entdecken von Spielen mit möglichen neuen und verfeinerten Bewegungsqualitäten, die aus einer gesteigerten Innenwahrnehmung heraus in das tänzerische Vokabular einfließen und bisherige Muster, auch standards wie Rollsequenzen, Spirals, Curves, Turns sowie Extension und Dynamik von Bewegung neu definieren lassen.
Darüber hinaus wird der mögliche Zusammenhang der Feldenkrais-Methode mit der Release-Technik und persönlichen Konzepten von Schwerkraft und Zentrierung von Bewegung genauso befragt werden wie z. B. mit speziellen Yoga-Positionen.
Auf der Metaebene eröffnet sich ein Raum für Diskussion und Reflexion über Fragen nach der "Präsenz als PerformerIn" während des täglichen Trainings.
Georg BlaschkeGeorg Blaschke lebt in Wien und arbeitet als freischaffender Tänzer, Trainer und Choreograf im In- und Ausland. Seine Tätigkeit als Choreograf und Dozent besonders in den Bereichen Contemporary Dance Technique, Physical Theatre Training und Movement Research folgt Einladungen von international renommierten Festivals, Hochschulen und Ausbildungsstätten. Als Performer und Produzent eigener choreografischer Arbeiten ist er seit Jahren in diversen Formaten erfolgreich tätig.
Seine aktuellen Projekte mit den Titeln
"Essence of Touch", "Embraceable You", "In Case of Loss" und
"Your Dancer" (mit Liz King) erforschen architektonische Bedingungen von Repräsentation und Wahrnehmung und loten Möglichkeiten eines somatischen Zugangs zu choreografischem Verständnis und Rekonstruktion von Bewegung aus.
Die Feldenkrais-Methode beeinflusst entscheidend seine Arbeit im Hinblick auf Bewegungsrecherche, Partnerarbeit und auf Reflexionen zur Präsenz des Performers.
Sein Interesse an Neubewertungen und Umdeutungen des sich artikulierenden Körpers führt ihn zunehmend auch zum Rekonstruktionsbegriff in der zeitgenössischen Choreografie.
www.georgblaschke.com
"ACCOMPLISHMENT: TO MAKE WORKS IN THE FACE OF THE VOID
TO GAIN FORM, IDENTITY, [...]"
Jim Morrison
Photo: Georg Blaschke © Laurent Ziegler