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Stand: 05.12.2008
Workshops 2008
Jean Luc Ducourt
Week2: 21. - 25. Juli
17:30 - 20:00Ballet Research Adv

Ballet Research
Works 3/1 - I belong to no repertoire

Dieser Workshop ist inspiriert von der Arbeit an dem neuen Stück, das am 20.7. beim diesjährigen ImPulsTanz-Festival zu sehen sein wird.
Das Material stammt aus dem klassischen Tanz und konzentriert sich auf die Plastizität der Figuren, ihre Handschrift und ihre skulpturartige Beweglichkeit. Die Figuren aus dem klassischen Tanz werden analysiert und Akzente auf die Anordnung gelegt, die von der Artikulation der Gelenke strukturiert wird. Ebenso werden die Phrasen in ihrer geometrischen Ästhetik untersucht und für die funktionelle und variable Musik aufgewertet. Der Fokus liegt auf der räumlichen Anordnung und Dynamik, die sich organisch oder unorganisch und zufällig ergeben.

Bei WORKS BY 3/1 sind es 55 Schritte bzw. Figuren aus der klassischen Technik, die für sich allein stehend trotz der Herkunft aus dem Ballett eine gewisse Neutralität vorausschicken. Aus der Phrasierung und choreografischen Entwicklung dieser Elemente ergeben sich erste Kombinationen in ihrer physischen Struktur, die sich aus der Architektur der Gelenke und Energie entfalten. Beispielsweise kann man einfach nur 2, 1 oder keinen (Sprung) Fuß am Boden aufsetzen, die Füße können entweder flach, auf der Zehe oder auf der Spitze aufgesetzt werden, genauso wie ihre Höhe, Richtung und Spannung variiert werden kann. Jede der bestehenden Figuren ist Bestandteil einer bestimmten Deklination aus Möglichkeiten die der Gelenksanatomie zugrunde liegen. Die Arme sind als eine Art zweite Stimme zu verstehen, die den Zweck haben, Rumpf und Beine zu koordinieren und die Figuren zu vervollständigen.
Auf der Basis der Elemente entwickeln sich Vervielfältigungen der möglichen Formen, die auf natürlichem Weg ihre seriellen Kombinationen und schließlich zu einer choreografischen Struktur finden.

Beeinflusst von den einzelnen Tänzern sind die Phrasen nicht der Dynamik der Musik unterworfen, sondern sollen die Unebenheiten an die anatomischen Möglichkeiten koppeln und neu definieren. Die individuelle Anordnung der Elemente verleiht dem Tänzer eine Art genetischen Code, der der Entfaltung des Genoms dient. Dieses Genom kann mit anderen kombiniert werden, was das grafische Resultat formt.
Diese Zugangsweise bewirkt die unendliche Vielfalt der Sequenzen, wie wir sie bei Improvisation und Choreografie kennen.
Die Recherche choreografischer Strukturen entstanden aus zufälligen Kombinationen und die Improvisation mit Parametern und serieller Anordnung, stehen im Vordergrund.


Jean Luc Ducourt
Der französische Tänzer, Choreograph, Regisseur, Lichtdesigner und Multimediakünstler Jean-Luc Ducourt tanzte von 1979-89 in den Kompanien, wie unter anderem von Le Four Solaire, Régine Chopinot, Susan Buirge, Georges Appaix,Daniel Larrieu, L'Esquisse bevor 1987 der Kompanie Rosas beitrat. Als Assistent der Künstlerischen Leitung der Kompanie Rosas arbeitete er von 1989-93 gemeinsam mit Anne Therese de Keersmaker an Produktionen wie „Stella", „Achterland", dem Film „Rosa", "Erts", "Mozart/Concert Arias". 1994 widmete er sich dem Theater als free-lance Künstler, wobei die Produktionen „Voix-Off" (1996) und „Rosenfeld Theory" (1999) entstanden. Die Stücke „I/O Solo" (2000) und „Ballet Labor" (2002, mit Tänzerinnen des Bayerischen Staatsballetts) bilden seine Rückkehr zum Tanz.

Jean-Luc Ducourt kooperiert seit 1996 mit dem ARS MUSICA Festival in Brüssel. Seine Produktionen sind unter anderem das Installationsstück „Danger" (Sommerszene Salzburg 2001) sowie eine Videoinstallation als Gemeinschaftsarbeit mit anderen Künstlern im belgischen Leuven im November 2001.

2003 lancierte er einen enigmatisch kreativen Prozess mit Künstlern aus verschiedenen Bereichen, das in der Performance “Pourquoi quand je te regarde.. “ (Monty) mündete. Außerdem zeichnete er als Licht- und Setdesigner aller Stücke von Mia Lawrence (München) verantwortlich.
2004 begann seine Zusammenarbeit mit Hooman Sharifi (Impure Company) für die Kreation des Duetts “The Desert..”( DansinKortrijk ). Im Mai 2005 kreierte er das Stück "Kammarspel", eine Textperformance für zwei Frauen, basierend auf verschiedenen Drehbüchern Ingmar Bergmans, für das KunstenFestivalDesArts, Brüssel.
2006 entstand das Stück „L‘annonce faite à Marie...“, das von einem Tehaterstück von Paul Claudel inspiriert ist. Ebenso arbeitete er mit Brice Leroux (Continuum) als Produktionsleiter und künstlerischer Leiter für das Stück „QUANTUM-Quintet“ für das KunstenFestivalDesArts 2006 in Brüssel.

Seit 2007 arbeitet er am Kaaitheater, wo er mit dem Komponisten Alain Franco zusammenarbeitet und das Stück „Figure de voisinages“ entstand, bei dem Jean Luc Ducourt selbst ein Solo tanzte. Das neue Stück „Works by 3/1 - I Belong To No Repertoire“ aus dieser Zusammenarbeit wird beim ImPulsTanz-Festival 2008 am 20. Juli zu sehen sein.
Photo: © Jean Luc Ducourt