Zeitmontage
Ein Research für Menschen mit und ohne Behinderungen
In dieser Woche möchten wir uns mit den Themen der Langsamkeit/Schnelligkeit auseinandersetzen. Das Training ist in drei Phasen gegliedert – dem Aufwärmen, Dehnungsübungen, Improvisationsübungen. Wir arbeiten an Bewegungsthemen wie das Geben und Nehmen von Impulsen und Gewicht. Durch die Vielfalt der Improvisationsübungen werden diese von unterschiedlichen Zeitkonzepten (Dynamik, Tempo, Stille,...) betrachtet werden.
Im zweiten Teil des Workshops wird Bewegungsmaterial in Kleingruppen praktiziert. Es wird der Versuch unternommen, ein gemeinsames Körpersprachenvokabular zu erarbeiten. Wir erzeugen einen Bewegungs- und einenZuschauerraum innerhalb der Gruppe. Das regt zu einer sowohl verbalen als auch nonverbalen Reflexion auf das Gesehene an. In Form von Soli, Duetten und Gruppenimprovisationen haben die StudentInnen die Möglichkeit sich im Raum zu bewegen.
Im dritten Teil beschäftigen wir uns mit alltäglichen Materialien - die entweder mitgebracht werden oder die wir im Kurs finden - und deren Videodokumentation. Das Material wird in die Tanzimprovisation einbezogen und im Raum installiert. Die dafür angebotene Struktur ergibt sich aus den vorangegangenen Bewegungsthemen.
Der Bewegungs- und Materialprozess wird mit der Videokamera gefilmt. Dieser Prozess läuft in Kleingruppen ab; die einzelnen Gruppen können sich ihre Hintergründe (Bühne) im Raum selbstständig auswählen.
Wir werden sowohl mit als auch ohne Musik arbeiten. Die Auseinandersetzung mit der Stille im Raum und deren Einfluss auf die Bewegung/Nichtbewegung erforschen. Durch die Abwechslung zwischen Struktur und dem authentischen Bewegen hat jeder Einzelne die Möglichkeit an der eigenen individuellen Bewegungssprache zu arbeiten.
Die Selbstbestimmung und -entscheidung jedes Einzelnen - ob mit oder ohne Einschränkungen - steht im Vordergrund. Das Hinführen und das Vertrauen in die eigene Bewegung, sollen durch die prozessorientierte Arbeitsweise selbstverständlicher werden.
Sonja BrowneSonja Browne war 1996-1999 diplomierte Sozialarbeiterin. Private Ausbildung in Ballett, Modernen Tanz, Step Tanz, Schauspiel und Gesang, Praktika bei AMICI ( dance with people with disabilities, Großbritannien); THEATER STAP(Theater von Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Belgien); Tänzerin u.a. bei Editta Braun, Hubert Lepka, Olivier Gelpe und Willi Dorner. 1999 gründete sie die integrative Formation DANSE BRUTE, die Tanz von Menschen mit besonderen Bedürfnissen zur Aufführung bringt.
Seit 1999 leitet sie Tanz - und Impropvisationsklassen in Werkstätten für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, wie unter anderem Jugend am Werk, Verein Balance und Kurse in der Volkshochschule Hernals.
Seit damals engagiert sie sich für die Gründung einer Werkstätte, die Menschen mit geistiger Behinderung im Bereich Tanz ausbildet und eine Infrastruktur für Auftritte anbietet.
Johanna TatzgernJohanna Tatzgern studierte an der Universität für angewandte Kunst. Seit 1990 nahm sie an Weiterbildungen im Bereich „Neuer Tanz“ (Contact-Improvisation, Improvisationtechnik, Authentic Movement, Körperarbeit) teil und ist seit 2006 DanceAbility Trainerin.
Es folgten diverse Einladungen zu Festivals und Symposien, Zusammenarbeit mit Tänzern, Künstlern und Wissenschaftern, Realisierung von Installationen, Performances unter Einbeziehung von Mensch, Medien, Raum und bildender Kunst. 1999 gründete sie den Verein GOLDFLUß UNLIMITED (Konzeption und Ausführung prozessorientierter Projekte im sozial-künstlerischen Raum).
Seit 1994 setzt sie sich intensiv mit der Projektarbeit mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen auseinander unter anderem im Institut Hartheim, Kunstraum Goethestraße – pro Mente.
Seit 2007 arbeitet sie an dem Aufbau einer Tanz/Performancegruppe TANZMONTAGE im Verein BALANCE (Verein für Integration und Chancengleichheit von Menschen mit Behinderungen) und realisiert künstlerische Projekte unter anderem „Inter-View“ (gemeinsam mit Elke Krasny), in der Galerie 5020 Salzburg „Eigensinn-Eigensicht“, Fotoarbeiten (Museum auf Abruf,Wien), „Synthese: Tanz –Film” (Videopräsentation, „Tepidarium“, „Peripher“, kuratiert von Bernadette Dewald, Filmcoop, Tanzquartier Wien), „Portraits afterlife“ (Installation, Performance, kuratiert von Katherina Zakravsky, Academie van Eyck, Maastricht, Holland), „aftermath of a Faun - Hybridtraining“ (gemeinsam mit Katherina Zakravsky), „Interspirale“ (Installation/Performance, Pushkinskaya, St. Petersburg, Russland), „Drängen & Sehnen“ (ImPulsTanz, 8tension, sowie Künstlerhaus, Videoarbeit für eine Soloarbeit von Ingrid Reisetbauer,Wien), „Between screens“ (Konzept: Lisa Hinterreitner, Performance/Installation, Sommerszene 06 Salzburg), u.v.m.
Photo: © Johanna Tatzgern & Sonja Browne