The Improvising Citizen
der Symbiose unserer kreativen Arbeit und unseres öffentlichen Lebens nachgehen
Ein Workshop für Tanz, Improvisation und Performance, in dem wir den Polaritäten von Innen/Außen, Privat/Öffentlich, Leben/Kunst als primäre Quellen für unseren Antrieb und unsere Inspiration nachgehen.
Wir werden uns durch diszipliniertes Studium und in freudiger Praxis von Tanzimprovisation und Performance erden, um darin die Symbiose unserer kreativen Arbeit und unseres öffentlichen Lebens zu erforschen. Die Vertiefung und Erweiterung unserer Tanzpraktiken – Contact Improvisation, Körpertheater, improvisierter Tanz – sind unsere Heimat für eine Rundreise durch Fragen, die Politik, Kultur, Spiritualität, Familie und Gesellschaft betreffen. Sound, Stimme, Sprache und Text aus dem wilden Körper sind Teil unserer Experimente. Performance wird als ritualisierte Zeit und als Ort für simultane Forschung und Diskurs verstanden.
Wie beeinflusst das Außen das Innen und vice versa? Wie beeinflussen unsere familiären, sozialen und globalen Erfahrungen unseren tanzenden Körper? Wie beeinflussen unser improvisierter Tanz, Bewegung, Meditation und Performance unsere Wahrnehmungen und Handlungen außerhalb des Studios?
Wir tauchen in den Pool unseres tanzenden Körpers ein, sinken in unsere Empfindungen und in unsere Vorstellungskraft, die mit Gesten und Momentum, Berührung und Flug wieder an die Oberfläche treiben. Was ist die Rolle des Tanzes in unserem Leben? Was ist die Rolle des/r TänzerIn im gesellschaftlichen Leben? Tanzt die Welt? Ist Wien eine improvisierte Performance?
Ich habe vor, diesen Workshop zu einem lebenden Laboratorium zu machen, motiviert durch die Erfahrungen und Wünsche aller Anwesenden.
Contact Improvisation
Impulse für spontane Partnerschaft
Contact Improvisation ist Haltung, Kontext, Praxis. Jede/r, der es tun möchte, kann es tun. Der Tanz kann langsam sein, nahe am Boden, intim, athletisch, wild und fliegend innerhalb von Sekunden oder Stunden.... Contact Improvisation lebt von tiefem Horchen, Respekt für den ganzen Körper, Wahrnehmung desselben, Beweglichkeit, Verspieltheit, Stärke, gegenseitigem Vertrauen und Lebenslust. Ein grundlegender Vorschlag ist, einem sich immer verändernden Kontaktpunkt (Ort der Berührung) zwischen deinem Körper und dem deines Partners zu folgen. Wir werden diesem Vorschlag folgen, den Tanz erweitern und damit eine große Spannbreite an Improvisation in Partnerschaft erfahren: Duo, Trio, Gruppe, Körper und Architektur, Körper und Welt.
Ich tanze seit 1979 Contact Improvisation. Der Tanz, wie mein Körper und die Welt um mich, sind durch mehrere Phasen und Veränderungen, Stile und Entwicklungen gegangen. Ich lehre Contact Improvisation als ein Experiment in Bewegung, als Impuls für spontane Partnerschaft und Choreografie, als Inspirationsraum, in dem neue Ideen und Handlungen erblühen.
Shamanic Improvised Presence
Improvisation und Performance als potentiell schamanistische Handlung
Ein Wochenend-Experiment zur Erforschung der Beziehung zwischen improvisiertem Tanz, Performance und Schamanismus. Übungen und Erfahrungen in Präsenz, Transformation, Atem, veränderten Seinszuständen, Trance, Wahrnehmung, Ritual und Performance.
Ich studiere sowohl alte als auch zeitgenössische Rituale seit über zwanzig Jahren. Ich erkenne viele Weiterführungen und Unterbrechungen zwischen der religiösen Praxis und der westlichen Bühne. Schamanismus, allgemein gesagt, bezieht sich auf rituelle und spirituelle Praktiken, die mit ungesehenen Kräften, mit Energie, mit der Verwandlung von Raum und Zeit und mit der Verschiebung von Bedeutung und Perspektive arbeiten.
Über das ganze Wochenende hin werden wir - im Tun und Sprechen - das Konzept von Präsenz hinterfragen. Was ist es? Wie erfahren wir sie? Kann sie choreografiert werden? Was können wir über Präsenz durch Improvisation lernen?
Keith HennessyKeith Hennessy ist ein in Kanada geborener Performer, Regisseur und Veranstalter, der seit 1982 in San Franciso lebt. Sein Performanceschaffen für Theater und Straße zeichnet sich durch sonderbar beziehungsreiche Bilder, ungezügelte Körperlichkeit und scharfe politische Texte aus. Er leitet CIRCO ZERO, eine gemischte Truppe von Zirkus- und MusikkünstlerInnen, die an der Fusion von Spektakel, Ritual und Aktion arbeiten. Hennessys aktuelle Choreografien umfassen “SDF USA”, eine Performance über heimatlose Verzweiflung, “Mercy”, ein experimenteller Zirkus mit Zirkusartistinnen, TänzerInnen und PerformerInnen und “Chosen”, eine Soloperformance von Hennessy, die Fragen von Schicksal, Land und Identität durch Tanz, Gerede/Gebet und Flugaktionen erforscht.
Keith hat zahlreiche amerikanische Preise und Produktionsaufträge für seine kollaborative Arbeit als Choreograf, Performer und Veranstalter und darüber hinaus internationale Aufträge von Les Subsistances (Lyon), von Les Laboratoires (Aubervilliers) and von La Villette (Paris) erhalten. Seine Arbeit wird in den Büchern “How To Make Dances in an Epidemic” (David Gere, U of Wisconson, 2004) und “Gay Ideas” (Richard Mohr, Beacon, 1992) besprochen.
Keiths Soloarbeit wurde in ganz USA, Kanada, Israel, Neuseeland, Frankreich und Australien produziert, ua von mehreren Performancefestivals von und für Homosexuelle und Lesbierinnen. Von 1998 bis 2002 trat er mit CAHIN-CAHA, cirque bâtard (in dt “falscher Zirkus”), einem amerikanisch-französichen Zirkusbastard mit Basis in Frankreich, auf. Keith war Mitglied des extremen Performancekollektivs CORE und Gründungsmitglied der international anerkannten, preisgekrönten Tanzkompanie CONTRABAND. Von 1991 bis 2003 führte er gemeinsam mit anderen 848 Community Space, eine blühende urbane Performance-Galerie. Seit 20 Jahren unterrichtet er einzigartige hybride Formen von Performance, Improvisation, Zirkus und öffentlichem Ritual und war resp ist Teil des Lehrkörpers der JFK University, der University of San Francisco, des Goddard College und dem New College of California. Keith ist Mitglied von Alternate ROOTS, einer visionären Dienstleistungsorganisation für gemeinschaftsorientierte KünstlerInnen und unterstützt radikale kulturelle Vorhaben als Berater, Leiter, Lehrer, Kurator und Agitator. 2003 wurde Keith Hennessy vorsätzlich zweimal als Teil der größten globalen Mobilisierung für Frieden in der Weltgeschichte arrestiert.
Photo: © Hennessy