ImPulsTanz TURBO Residencies
Anna Mendelssohn
art for a lonely heart
“Mehr Kommunikation bedeutet zunächst vor allem mehr Konflikt.” P. Sloterdijk
Ich plane eine neue Arbeit, art for a lonely heart, in welcher ich mich mit dem Prinzip des Dialogs beschäftigen werde. Ausgangspunkt dieser Arbeit ist eine gewisse Spiellust wieder zu Dialogen auf der Bühne zu finden. Seit das Theater begonnen hat die vierte Wand zu dekonstruieren, sind Dialoge auf der Bühne problematisch geworden. Man weigert sich zu Recht so zu tun als wüsste man nicht, daß das Publikum und die Darsteller sich den Raum teilen und gemeinsam zu dem Geschehen beitragen. Aber wir sind so beschäftigt damit das Publikum wissen zu lassen, daß sie da sind, daß die Kommunikation mit den anderen Darstellern auf der Bühne immer schwieriger geworden ist. In art for a lonely heart will ich mich mit dem Dialog und seinen Rhetoriken auf der theatralen, aber ebenso auf der privaten wie auf der öffentlichen Bühne beschäftigen. Im weiteren (politischen) Sinn geht es um Nachbarschaft, Krieg und Frieden, im engeren (persönlichen) Sinn geht es um Beziehung, Liebe, Streit. Dialoge können sich also um verlegte Socken drehen, ebenso wie um Lagebeziehungen und Kräfteverhältnisse auf dem Globus. Unter welchen Bedingungen ist der Dialog eine realistische Option der Konfliktlösung? Wie verändert sich Dialog im Zeitalter universeller Kommunikation? Wie dialogisch funktioniert Demokratie tatsächlich? Welchen Einfluß hat die Art und Weise unserer Alltagssprache auf unsere politische Sprache und vice versa? Ist es möglich durch Sprache die Vielschichtigkeit und Komplexität unserer Emotionen auch nur annähernd adäquat zu beschreiben?
Die Turbo Residency von Impulstanz wird meine erste Researchphase für art for a lonely heart darstellen. Das Impulstanz Festival ist geprägt durch seinen internationalen Charakter und dadurch prädestiniert das Thema Kommunikation zu untersuchen. Was passiert wenn Menschen aus verschiedenen Ländern, mit so unterschiedlichen Hintergründen - sozial, kulturell und künstlerisch zusammenkommen? Wie wird Wissen vermittelt? Wie wird mit Kritik umgegangen? Was für Dialoge entstehen ohne Sprache, im Tanz, in der Bewegung? Was für Kommunikationsformen gibt es zwischen Bühne und Zuschauerraum? Ich möchte diese Residency als Turmbau zu Babel zu Phase ansehen und die große Bandbreite an Formen der Kommunikation und des Dialogs genießen die auf diesem Festival entstehen.
Anna Mendelssohn
studierte Schauspiel in GB am Dartington College of Arts und in Bretton Hall, School of Performing Arts. Als Performerin ist sie seit 2004 Ensemblemitglied bei toxic dreams und war bisher in über 12 Produktionen der Kompanie zu sehen (u.a. in Meet the Composer; Kongs, Blondes and Tall Builings, Pink Vanja; Mein Camp; Ich Sterbe). Sie arbeitete außerdem u.a. mit David Mayaan (Der Familientisch), Cie Loulou Omer (A Story of Murder), vis plastica (Perpetuum Mobile, Psy-comix), Daniel Aschwanden (PPP), Linda Taylor (Operations of Debate), Peter Stamer (Drama Queens), André Turnheim (Venus im Pelz) und SUPERAMAS (Empire Art&Politics). Zu ihren eigenen Arbeiten zählen das gemeinsam mit Jan Machacek entwickelte Duett outside i (2008) und das Solo Cry Me A River, welches im Mai 2010 im Tanzquartier Wien Premiere hatte und beim Arena Festival in Erlangen kürzlich sowohl den Jury- als auch den Koproduktionspreis erhielt.
www.toxicdreams.at
www.superamas.com