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Bob Curtis (AT)
Geboren 1925 in Mississippi. 1946 Studium der Bildenden Kunst an der San Francisco State University. Unterricht an der San Francisco Ballet School. 1947 macht das Sadler’s Wells Ballet auf Welttournee in San Francisco Halt, hochgewachsene Männer für Statistenrollen in Swan Lake, Sleeping Beauty und Cinderella werden gesucht – Bob Curtis ist einer von ihnen. Gemeinsam mit Margot Fonteyn, Robert Helpman, Moira Shearer und Frederick Ashton „steht“ er auf der Bühne. 1949 wird Bob Curtis als Tänzer von der „Salt Lake City University Operette Company“ engagiert, Hoffmanns Erzählungen und Die Lustige Witwe in Open Air Aufführungen bestimmen seinen Alltag.

Auf Vermittlung seines Lehrers Lew Christenson erhält Curtis noch im gleichen Jahr ein Stipendium an Balanchines „American Ballet School“ in New York. Obwohl der emigrierte Russe Vorbehalte gegen Farbige im Klassischen Tanz hatte („classical dancers should not be darker than a pealed apple“), kam Curtis in den Genuss, von jenen berühmten Lehrern unterrichtet zu werden, die aus Russland in die USA geflohen waren. Einmal in New York, nahm er ebenfalls Unterricht an der Metropolitan Ballet School, bei Martha Graham sowie an der Primitive Ethnic Dance School. Als schwarzer Tänzer sollte man mehr über „Black Dance“ wissen, dachte er sich, und so schloss sich Bob Curtis 1949 auch Katherine Dunham an, tanzte in ihrer „Experimental Group“ und erhielt von ihr ein weiteres Stipendium. Voraussetzung dafür war, als Gegenleistung bestimmte Jobs zu übernehmen; da der Rest des Tages jedoch mit den Unterrichtsstunden an all’ den anderen Schulen ausgefüllt war, blieb Curtis nur die Möglichkeit, einem Ballettlehrer am Wochenende zu assistieren – so sammelte Bob Curtis seine ersten Erfahrungen im Unterrichten.

Katherine Dunham begleitete er auch nach Haiti, Mexiko und Kuba, wo sie den ursprünglichen afrikanischen Tanz, auch innerhalb von Voodoo Zeremonien, erforschte. Doch letzten Endes war sie mehr an der Religion, Curtis aber an den unterschiedlichen Tänzen interessiert. 1952 schloss er sich der „José Limon Dance Company“ an, um nicht „the sense of a professional dancer“ zu verlieren.
Diese hoffnungsvolle Laufbahn wurde 1954 durch einen Autounfall jäh unterbrochen, nach dem zunächst unklar war, ob er je wieder gehen können würde.

Er konnte, und er ging, nicht wieder zurück zu Limon, sondern nach Europa.
1955 trainierte er im berühmten Wacker Studio in Paris, nahm an einer Audition von Roland Petit teil, bestand – und lehnte dankend ab! Sein Ziel damals war ein nicht näher zu bestimmendes „Dolce Vita“ in Italien. Es folgte eine Zeit der Shows, der Tingelei durch Hotels und Nachtclubs zwischen Monte Carlo und Portugal, in der das „Manhattan Trio“ mit dem großen, dunkelhäutigen Mann und zwei blonden Mädchen äußerst erfolgreich unterwegs war. Bis der Gedanke kam, „it’s really going nowhere“, und sich Bob Curtis in Rom niederließ. Er arbeitete fürs Fernsehen, in der Modebranche, wirkte in Filmen und Musicals mit.

Schließlich wurde er (doch noch) Italiens Modern Dance Pionier: 1968 gründete er zusammen mit Elsa Piperno die erste zeitgenössische Company in Italien, 1972 eröffneten beide die dazugehörige Schule in Rom. Als ein persönlicher Konflikt die Zusammenarbeit der beiden und sowohl die Schule als auch die Company zerstörte, ging Bob Curtis wieder nach New York, um an der Schule von Arthur Michell zu unterrichten, der inzwischen Direktor des „Dance Theatre of Harlem“ geworden war. Aber dort hielt er es nur zwei Jahre aus, „I couldn’t relate to New York anymore“. Zurück in Rom 1977, verkaufte er viele private Dinge von Wert, um noch einmal vor vorne anzufangen: Die „Compagnia Afro Danza“ wurde gegründet, und mit finanzieller Unterstützung der italienischen Regierung bestand sie 18 erfolgreiche Jahre lang.

Auf Italien folgte bislang nur noch Österreich und eine erstaunliche, neue Karriere als Pädagoge. Bob Curtis unterrichtete ab 1994 am Bruckner Konservatorium in Linz, seit 1999 an der Ballettschule der Wiener Oper und an vielen weiteren kaum noch zu zählenden Institutionen, Schulen und auf Festivals in Europa, den USA und Russland. Seit 1994 lebt Bob Curtis in Wien.

Quelle: Ballett Intern, Heft 67/28. Jahrgang, von Dagmar Fischer
Workshops
1989: Afro Contemporary