Artist
Deborah Hay (US)
Deborah Hay war Mitglied einer Gruppe experimenteller KünstlerInnen, die stark von Merce Cunnigham und John Cage beeinflusst wurden. Die Gruppe, später bekannt als Judson Dance Theatre, wurde eine der radikalsten und explosivsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. 1967 hatte Hay bereits eine Bekanntheit als junge Choreografin erreicht und ihr einzigartiger Stil begann sich als ausgeprägte Stimme der Ästhetik von Judson zu etablieren.
Mit ihren KollegInnen teilte sie die Ideen, dass Tanz sich mit anderen Kunstformen beschäftigen und die künstlerische Konfrontation von professionellen und nichtprofessionellen TänzerInnen gefördert werden sollte. Das führte sie zu großangelegten Tanzprojekten, in denen professionelle und nichtprofessionelle TänzerInnen, begleitet von fragmentierter und choreografierter Musik, einfaches Bewegungsmaterial unter Stress-Bedingungen ausführten. 1970 verließ sie New York, um in einer Gemeinschaft in Nord-Vermont zu leben. So begann für sie eine lange Periode von Reflexion darüber, wie Tanz vermittelt und präsentiert werden sollte. Ihr erstes Buch „Moving Through the Universe in Bare Feet“ (Swallow Press, 1975), ist ein frühes Beispiel ihrer charakteristischen Erinnerung/Konzept Methode choreografischer Aufzeichnungen, und unterstreicht das Narrative im Prozess ihres Tanzschaffens vielmehr als technische Spezifikationen oder Beschreibungen ihrer Formen. 1976 verließ Hay Vermont und zog nach Austin, Texas. Ihre Aufmerksamkeit rückte sie nun auf eine Reihe von Praxen („playing awake“), welche Performer verschiedener Bewusstseinsebenen gleichzeitig involvieren. Ihr zweites Buch „Lamb at the Altar: The Story of a Dance” (Duke University Press, 1994) dokumentiert den einzigartigen kreativen Prozess, der diese Arbeiten auszeichnet. In den späten 90er Jahren konzentrierte sich Deborah Hay fast ausschließlich auf verfeinerte und hintergründige Solotänze basierend auf ihrer neuen experimentellen choreografischen Methode. Hays Arbeit hat ein neues Stadium erreicht, in dem sie die unnachahmlichen choreografischen Methoden ihrer Solowerke in Zusammenarbeit mit hochprofessionellen TänzerInnen neu definiert.