Concerto Barocco
Woundwork 1

The Vertiginous Thrill of Exactitude
Capriccio
Wiener Staatsoper
18., 20., 21., 22. Juli 2000, 20.30 Uhr
Österreichpremiere





Die Pariser Oper ist mit ihrer reichen Geschichte eine wegweisende Institution des Klassischen Tanzes wie aber auch ein offener Ort für neue Strömungen. Werke aller bedeutenden Choreografen des 20. Jahrhunderts von Vaslav Nijinsky, Maurice Béjart über Alvin Ailey und Merce Cunningham bis hin zu Jirí Kylin und Pina Bausch finden sich im Repertoire. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem bahnbrechenden Choreografen George Balanchine. Der von Rudof Nurejew an die Pariser Oper geholte William Forsythe bezieht sich auf Balanchines Werk; sein Rekurs ist aber mehr als nur eine Ehrerbietung. Er ist auch eine Auseinandersetzung mit der klassischen Ballettästhetik, ihren Bewegungen und ihrem Wandel vor einem zeitgenössischen Hintergrund.

Concerto Barocco
[ Choreografie: George Balanchine (1941/1951)
[ Musik:  Johann Sebastian Bach, Konzert für zwei Violinen in d-moll, BWV 1043

Balanchines "Concerto Barocco" ist keine bloße Spiegelung des Konzerts von Bach, sondern ein getanztes Bild des Charakters der Musik. Die Formationen und Bewegungen der TänzerInnen bringen die Polyphonie und geheimnisvolle Kraft der Komposition sichtbar zum Ausdruck.

Woundwork 1
[ Choreografie: William Forsythe (1999)
[ Musik: Thom Willems

Im doppelten Pas de deux in "Woundwork 1" bieten sich dem Auge stets mehrere Dinge gleichzeitig, ohne daß der Bewegungssturm abbräche. Immens beschleunigt, folgt der Körper keiner einheitlichen Zeitvorgabe mehr. In seinen multiplen Fixpunkten verbindet sich Forsythes Ästhetik so mit den Choreografien von Merce Cunningham und deren Impetus, Bewegung freizugeben.

The Vertiginous Thrill of Exactitude
[ Choreografie: William Forsythe (1996)
[ Musik:  Franz Schubert, Symphonie No. 9 in C-Dur, "Grosse" (allegro vivace)

"The Vertiginous Thrill of Exactitude" wirft einen halb-distanzierten, halb-zärtlichen Blick auf das Erbe Balanchines - ein Spiel mit Referenzen, das Unterhaltung nicht verpönt. Forsythes Choreografie ist eine Übererfüllung der klassischen Form, im Schwierigkeitsgrad gesteigert, bis die Form im Rausch der Geschwindigkeit an ihrer eigenen Exaktheit zu brechen droht.

Capriccio
[ Choreografie: George Balanchine (1967)
[ Musik:  Igor Strawinsky, Capriccio für Klavier und Orchester

"Capriccio" ist ein leichtes ironisches Spiel mit der Form. Aus heiterem Himmel kicken die TänzerInnen ihre Beine wie zum Rock'n 'Roll nach vorne, Elemente des Gesellschaftstanzes blitzen auf ...und trotzdem steht alles im Einklang mit Strawinskys koketter eklektischer Komposition neben klassischem Epaulement, Battement und Pirouetten.


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© tanz2000.at
Motiv: Ballet de l´Opéra National de Paris, "Woundwork 1"
Photo: Icare/Moatti