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Die Pariser Oper ist mit ihrer reichen Geschichte eine wegweisende
Institution des Klassischen Tanzes wie aber auch ein offener Ort für
neue Strömungen. Werke aller bedeutenden Choreografen des 20. Jahrhunderts
von Vaslav Nijinsky, Maurice Béjart über Alvin Ailey und
Merce Cunningham bis hin zu Jirí Kylin und Pina Bausch finden
sich im Repertoire. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem bahnbrechenden
Choreografen George Balanchine. Der von Rudof Nurejew an die Pariser
Oper geholte William Forsythe bezieht sich auf Balanchines Werk; sein
Rekurs ist aber mehr als nur eine Ehrerbietung. Er ist auch eine Auseinandersetzung
mit der klassischen Ballettästhetik, ihren Bewegungen und ihrem
Wandel vor einem zeitgenössischen Hintergrund.
Concerto Barocco
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Choreografie: George Balanchine (1941/1951)
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Musik: Johann Sebastian Bach, Konzert für zwei Violinen in
d-moll, BWV 1043
Balanchines "Concerto Barocco" ist keine bloße Spiegelung
des Konzerts von Bach, sondern ein getanztes Bild des Charakters der
Musik. Die Formationen und Bewegungen der TänzerInnen bringen die
Polyphonie und geheimnisvolle Kraft der Komposition sichtbar zum Ausdruck.
Woundwork 1
[ Choreografie:
William Forsythe (1999)
[ Musik:
Thom Willems
Im doppelten Pas de deux in "Woundwork 1" bieten sich dem
Auge stets mehrere Dinge gleichzeitig, ohne daß der Bewegungssturm
abbräche. Immens beschleunigt, folgt der Körper keiner einheitlichen
Zeitvorgabe mehr. In seinen multiplen Fixpunkten verbindet sich Forsythes
Ästhetik so mit den Choreografien von Merce Cunningham und deren
Impetus, Bewegung freizugeben.
The Vertiginous Thrill of Exactitude
[ Choreografie:
William Forsythe (1996)
[ Musik:
Franz Schubert, Symphonie No. 9 in C-Dur, "Grosse" (allegro
vivace)
"The Vertiginous Thrill of Exactitude" wirft einen halb-distanzierten,
halb-zärtlichen Blick auf das Erbe Balanchines - ein Spiel mit
Referenzen, das Unterhaltung nicht verpönt. Forsythes Choreografie
ist eine Übererfüllung der klassischen Form, im Schwierigkeitsgrad
gesteigert, bis die Form im Rausch der Geschwindigkeit an ihrer eigenen
Exaktheit zu brechen droht.
Capriccio
[ Choreografie:
George Balanchine (1967)
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Musik: Igor Strawinsky, Capriccio für Klavier und Orchester
"Capriccio" ist ein leichtes ironisches Spiel mit der Form.
Aus heiterem Himmel kicken die TänzerInnen ihre Beine wie zum Rock'n
'Roll nach vorne, Elemente des Gesellschaftstanzes blitzen auf ...und
trotzdem steht alles im Einklang mit Strawinskys koketter eklektischer
Komposition neben klassischem Epaulement, Battement und Pirouetten.
© tanz2000.at
Motiv: Ballet de l´Opéra National de Paris, "Woundwork
1"
Photo: Icare/Moatti
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